Anmeldung zum Newsletter

Zur Anmeldung geben Sie bitte Ihre E-Mail Adresse ein.

Watchful Waiting Prinzip am Beispiel des Prostatakarzinoms

Sehr geehrte AbonnentInnen des Newsletters www.gladiss.de,

Wie Ihnen wahrscheinlich bekannt ist, lebe ich jetzt im „Ruhestand“. Dies schlägt sich auch in der (reduzierten) Frequenz meiner Newsletterausgaben nieder, wie Sie sicher schon bemerkt haben (dieser Newsletter ist schließlich ein gratis betriebener Ein-Mann-Betrieb).

Nichtsdestoweniger greife ich immer mal wieder Themen auf, die mir in meiner Berufslaufbahn besonders wichtig geworden sind und für die ich es für wichtig halte, Impulse weiter zu geben. Dazu gehören auch aktuelle Anlässe aus dem Rest meiner beruflichen Aktivitäten, nämlich aus meiner über den E-Mail-Verkehr betriebenen Beratungstätigkeit (siehe gladiss.de/Informationen). Dort ist beschrieben, wie ich mein in 40 Berufsjahren erworbenes Know-How gezielt und segmentiert weiter gebe.

So wird mein E-Mail-Beratungsservice zum Ersten von Therapeuten genutzt, die meinen Rat zu Problemfällen aus ihrer Praxis einholen oder eine Aus-/Weiterbildungs-Frage an mich haben, zum Zweiten von meinen ehemaligen Patienten, die zum einen oder anderen Thema nochmals meine Stellungnahme  wünschen und zum Dritten von mir bislang nicht bekannten Patienten, die meine Second-look-Opinion für ihr Gesundheitsproblem anfordern.

Einer meiner langjährigen Patienten, den ich seit 12 Jahren nach dem Prinzip des Watchful Waiting mit seinem Prostatakarzinom betreue, erbat jetzt einen Bericht für den dieser Therapieform gegenüber offenen und daran interessierten Urologen.

Nach Fertigstellung dieses Berichtes war mir klar, dass das hierin dargestellte Therapieprinzip und diesem zugrunde liegenden ganzheitsmedizinischen Einschätzungen für viele meiner Newsletter-LeserInnen gleichermaßen wichtig sein können, nicht nur für jene, die auch vom Prostatakrebs betroffen sind, sondern auch zum Beispiel für Mammakarzinompatientinnen und auch für nicht an Krebs Erkrankte, weil in der Carpe-Diem-Strategie des Watchful Waiting Prinzips (die Erläuterung dieser Begriffe finden Sie in dem nachstehend wiedergegebenen Bericht) übergeordnete Gedankengänge zum Tragen kommen, und dass dieser Bericht nicht zuletzt auch für die vielen TherapeutInnen, die sich unter meiner Newsletter-Leserschaft befinden, wichtig sein kann. So erbat ich die Zustimmung des betroffenen Patienten zur Publikation in anonymisierter Form, und er stimmte mit der Hoffnung zu, dass die darin enthaltenen Gedankengänge für viele ähnlich Betroffene hilfreich sein mögen. Ihm, der auch zur Leserschaft meines Newsletters gehört, sei an dieser Stelle für diese Entscheidung herzlich gedankt!

So gebe ich Ihnen nun diesen Einblick in Details meiner Beratungstätigkeit als Beispiel ganzheitsmedizinischen Handelns und verbleibe mit freundlichem Gruß

Dr. Karl Braun-von Gladiß

Arztbericht; Juni 2016

zur Information des Patienten und des behandelnden Urologen

Sehr geehrter Herr X,

Sie beauftragten mich, einen Arztbericht zu erstellen, der Sinn und Zweck meiner Therapieempfehlungen erläutert und den Inhalts dieser Art des Naturheilverfahrens darstellt sowie Angaben/Erläuterungen der wichtigsten Mittel enthält.

Zu Beginn dieses Berichtes betone ich auch der formalen Korrektheit halber, dass alle Angaben in diesem Bericht und auch das bei Ihnen angewendete und hier beschriebene Behandlungskonzept und die diesem zu Grunde liegenden Beurteilungskriterien und die der Behandlung zu Grunde liegenden fachlichen Entscheidungen nicht dem so genannten „Stand des Wissens“ entsprechen und wissenschaftlich weder durch Studien noch durch Kommissionsentscheidungen noch durch Publikationen in so genannten „anerkannten Fachzeitschriften“ abgesichert sind. Mit dieser Aussage ist verbunden, dass jemand, der sich mit „wissenschaftlich anerkannten Methoden“ untersuchen und behandeln lassen möchte, dem hier dargestellten Konzept nicht folgen sollte.

Ich betreue Sie seit 12 Jahren wegen einer PSA Erhöhung, deren Konstanz sehr langsam aber kontinuierlich zunimmt und unabhängig von einem Biopsieergebnis schon medizinisch keinen Zweifel an einem Prostatakarzinom zulässt. Daher hätte ich meinerseits in keinem Stadium der Betreuung zu einer Biopsie geraten.

Nichtsdestoweniger wurde Anfang 2004, kurz vor Beginn meiner Betreuung, eine 12-Stanzen-Biopsie vorgenommen, deren Ergebnis wie folgt bewertet wurde: "mäßiggradiges Prostatacarcinom pT1c,Gleason 5(3+2)“ bzw. in anderer Interpretation „pT2a G1-2, Malignitätsgrad IIa mit demselben Gleason-Score“, und in einer 6 Jahre später vorgenommenen Nachuntersuchung derselben Gewebeschnitte formulierte ein anderer Pathologe nach inzwischen neuerer Definition einen höheren Grad von Tumoraggressivität, nämlich „Malignitätsgrad IIb, Gleason 7a(3+4)“ bzw. in anderer Interpretation „pT1c Nx Mx Gleason 7a; (C61,G)“.
Dieser unterschiedlichen Schweregrad-Bewertung wegen veranlasste ich dann weitere zwei Jahre später eine minimal-invasive Feinnadel-Punktion zwecks zytometrischer DNA-Ploidie-Bewertung im DNA-Bildzytometrie-Institut der Universität Düsseldorf, deren Ergebnis den Typus des „Haustierkrebses“ dann dergestalt bestätigte: „Typ A (nach Tribukait) mit peridiploidem Verteilungsmuster und einer Proliferationsfraktion von nur 9 Prozent, also insgesamt ein relativ günstiger Status“. Dieses Ergebnis bestätigte die Richtigkeit des Watchful Waiting Konzeptes auch für die weitere Zukunft in diesem Fall.

Zur Bedeutung der DNA Bildzytometrie und Typisierung nach Tribukait zur Abschätzung der Relationen von „good-guys“ und „bad-guys“ (Residualzellen) in einem Tumor habe ich in meiner im Sept. 2010 erschienenen Monographie mit dem Titel „PapImi-Ioneninduktionstherapie in der ganzheitlichen Onkologie - Zum ärztlichen Verständnis der Ioneninduktionstherapie, zum Einsatz des PapImi-Gerätes bei Krebskranken, typische onkologische PapImi-Kasuistiken, Zellstoffwechsel und polyploide Zell-Entdifferenzierung, Watchful Waiting und Carpe Diem, kritisches Denken und Handeln bei Krebs, individuelle statt standardisierte Therapiestrategie“ ausführlich Stellung genommen.

Insgesamt zeigte sich mit diesen histologischen und zytologischen Daten die Priorität der ärztlichen Gesamteinschätzung und des Gesprächs zwischen Patient und Arzt vor einem Ergebnis von Biopsien.
Den Rat (zur Biopsie) nicht auszusprechen, kontrastiert zwar zu den offiziellen Empfehlungen und den sog. „Leitlinien“, basiert meiner Einschätzung und Erfahrung nach aber auf Folgendem:  Bioptisch einen kleinen morphologischen Tumor-Befund in der Prostata zu treffen, ist schwierig und es ist durchaus wahrscheinlich, dass die Nadel daran vorbeigeht und nur gesundes Gewebe erfasst. Das erkrankte Areal ist nämlich härter, und es ist durchaus möglich, dass die Nadel daran vorbei gleitet und in das weiche gesunde Gewebe trifft. Dann heißt es, „wir haben leider keine Krebszellen getroffen, wir müssen nochmals kontrollieren“. Zum einem ist eine solche Biopsie nicht selten recht schmerzhaft, die Berichte von Patienten gehen von „harmlos“ bis „nie mehr würde ich so etwas machen lassen, das war das Schlimmste, was ich je erlebt habe“, wobei nur ein eher kleiner Teil der Patienten dies als harmlos empfindet und auch nur ein kleiner Teil es als ganz schlimm, die meisten Patienten aber über eine große Belästigung durch die Punktion berichten. Wenn dann keine Krebszellen gefunden werden, heißt es, wir müssen die Punktion mehrfach wiederholen, bis Krebszellen getroffen werden und ab dann wächst sich das Prostata-Thema zum riesengroßen Problem aus, denn man denkt an nichts anderes mehr, hat jedes Mal große Angst vor der nächsten Punktion. Ich kenne Männer, die das zehn Jahre lang mitgemacht haben, jedes Jahr eine bis zwei Biopsien, deren Leben in nichts anderem mehr bestand als in der Angst vor der nächsten Biopsie. Irgendwann wird dann zu einer Fächer Biopsie geraten. Es ist wahrscheinlich, dass solche stetigen Verletzungen der Prostata das Risiko erhöhen, dass sogar dadurch Krebs entsteht oder verschlimmert wird, und wenn sich dann nach vielen Jahren Krebszellen gefunden werden, gilt das als Bestätigung für die stetige bioptische Suche.

Der Chirurg Hackethal (1921–1997) sprach schon in den 50-iger Jahre vom „Haustierkrebs“. Tatsächlich gibt es Stadien von Tumorerkrankungen, in denen ein Patient von aggressiven Behandlungsformen nicht profitiert. Dann ist es besser, eine beobachtende und abwartende Haltung („Watchful Waiting“; siehe unten) einzunehmen. 

So weiß man heute, dass 80 % aller über 75 Jahre alten Männer Prostatakrebszellen in der Prostata beinhalten, und das, ohne dass sie jemals Beschwerden dadurch gehabt hätten und auch ohne dass sie jemals für ihre Gesundheit und ihr Leben dadurch bedroht gewesen wären, und man kann beim größten Teil dieser Bevölkerungsgruppe nur von Glück sprechen, wenn das vor dem Tode niemand bemerkte. Dies ist aus wissenschaftlichen Sektions- Untersuchungen von Verstorbenen bekannt. Bei Tausenden fand man nach dem Tod dieses Ergebnis.

Insofern ist der Prostatakrebs das Paradebeispiel dafür, dass es sinnvoll ist, keine übertriebene Diagnostik zu machen und auch nicht zu früh zu therapieren. Große Überprüfungsstudien haben gezeigt, dass betroffene Männer von einer frühen Diagnose und Frühtherapie nicht nur nicht profitieren, sondern auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet sogar ein Negativeffekt hinsichtlich Lebensqualität und auch hinsichtlich Sterberate dadurch eintritt.

Zu diesem Thema ist die kritische Fachöffentlichkeit und auch der unabhängige wissenschaftlich orientierte Medizinjournalismus voller Beiträge. Ein Beispiel dafür ist ein Zeitungsartikel in der SZ v. 15.7.2014 (Autor Werner Bartens), den ich zur Verdeutlichung hier wiedergebe:

„Wildwuchs in der Therapie. Prostatakrebs: es wird zu oft unnötig behandelt. Es ist eine Art medizinischer Glaubenskrieg: wie sollten Ärzte mit Prostatakrebspatienten umgehen, wenn kaum Risiken bestehen, weil der Tumor langsam wächst und allenfalls spät oder gar nicht Metastasen bildet? Eine Fraktion der Ärzte ist für eine rasche Therapie nach dem Motto: was weg ist, ist weg. Die andere Seite zitiert Studien, wonach bis zu zwei Drittel der betroffenen Männer den Krebs zeitlebens nie gespürt hätten, weil er so langsam wächst. Die Therapie jedoch hat Nebenwirkungen wie Impotenz, Inkontinenz und Rektalblutungen. Zwei Studien in JAMA International Medicine (online) vom heutigen Dienstag zeigen, welcher Wildwuchs in der Betreuung von Männern mit Prostatakrebs besteht. Ärzte um Karen Hoffman von der Universität Texas haben Krankengeschichten von 12.000 Patienten verfolgt. 80 % wurden bestrahlt oder operativ behandelt, bei 20 % wurde abgewartet. Das Vorgehen der Urologen war von erstaunlicher Spannbreite: während manche Ärzte nur bei jedem 22. Patienten dafür plädierten abzuwarten, sprachen sich andere Urologen in zwei von drei Fällen dafür aus. "Welche Therapie man bekommt, ist vor allem davon abhängig, bei welchem Arzt man landet“, sagt Hoffman. Lag das Studium der Urologen länger zurück und führten sie selbst Operationen oder Bestrahlung aus, war es wahrscheinlicher, dass sich die Patienten der invasiven Prozedur unterziehen mussten. In der zweiten Studien zeigten Ärzte aus New Jersey, dass die an die Antiandrogentherapie Männern mit niedrig malignem Prostatakrebs keine Vorteile bringt, weil von den behandelten Patienten nach 15 Jahren genauso viele leben wie ohne Therapie. „Angesichts der Nebenwirkungen und Kosten sollte diese Behandlung zurückhaltend verwendet werden“, schreiben die Autoren. In einem begleitenden Kommentar Quoc-Dien Trinh und Deborah Schrag aus Boston deutlicher. Sie schlagen vor, die Antiandrogen-Therapie in die Choosing-Wisely-Kampagne aufzunehmen. Dort werden Behandlungen und Untersuchungen gelistet, auf die getrost verzichtet werden kann, weil der potentielle Schaden größer ist als der Nutzen.“

Ein weiterer Artikel des Autors Werner Bartens („Leiden in der Parallelwelt“) in der SZ v. 20. Januar 2014 stellt diese Zusammenhänge ebenfalls eindrucksvoll dar, weshalb daraus einige Passagen zitiert werden:

"….Längst zeigte eine elf Jahre andauernde Studie, dass 1055 Männer untersucht und 37 behandelt werden mussten, um einen Tod durch Prostatakrebs zu verhindern. Viel Medizin und viel Leid für etliche Männer, um einen zu retten. Doch selbst dieser Erfolg trog: die Gesamtsterblichkeit blieb in der Gruppe der gescreenten Männer genauso hoch wie in der Gruppe derer, die sich nicht per PSA Test untersuchen ließen. Ein Vorteil der Reihenuntersuchung konnte nicht belegt werden.… Der medizinische Fortschritt droht die Lebensqualität der Patienten erheblich zu senken…. Die Medizin hat ein untaugliches Konzept von Krankheit – und damit ist auch der Maßstab falsch, nachdem Milliarden für Diagnostik und Behandlung zugeteilt werden.… Dieses System der Diagnosegläubigkeit hat Folgen. Es führt dazu, dass Patienten in Deutschland schnell einem Übermaß an Medizin ausgesetzt sind."

Ein galoppierendes Krebsgeschehen, bei dem rasch gehandelt werden müsste, sehe ich bei PSA-Steigerungen um 50-100 innerhalb von einem Jahr, diese – im Vergleich zu den meisten anderen – sehr seltenen Krebsarten haben einen völlig anderen Charakter und sind wirklich gefährlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei einer Anstiegsgeschwindigkeit von z.B. 5 auf 30 innerhalb von vier Jahren um einen Haustierkrebs nach Hackethal handelt, ist sehr hoch.

Es ist bei vielen betroffenen Patienten nämlich wahrscheinlich, dass sich der PSA Wert lange Zeit im Schwankungsbereich zwischen etwa 15 und 30 hält, und es ist vernünftig, in dieser oft sehr viele Jahre anhaltenden Phase weder als Therapeut noch als Patient in Panik bringen zu lassen.
Ich habe sehr viele Männer über sehr viele Jahre, zum Teil 20 Jahre lang, mit erhöhtem PSA Wert bei Beschwerdefreiheit betreut – im Sinne des nachstehend dargelegten Carpe-diem-Prinzips in der Watchful Waiting Periode. Diese Männer haben gelernt, gelassen damit zu leben und ihren gesunden Menschenverstand nicht abzuschalten und Panik zu vermeiden und sich auf die Strategie einzulassen, dass solange kein Problem auftritt (und ein Laborbefund ist noch kein Problem, sondern ein Laborphänomen) keinen anderen Weg zu beschreiten.

Es bestand und besteht auch im hier zur Diskussion stehenden Fall anhaltendes Wohlbefinden und anhaltende Symptomfreiheit und Konstanz eines niedrig valenten morphologischen Befundes (Morphologie ist die Form, Größe und Binnenstruktur des Organs und der Umgebung).

Diese Betreuung in der Phase dieser Konstellation geschieht im Rahmen der Watchful Waiting Periode mit meinem dafür entwickelten Carpe-diem-Prinzip.

Daher sei zunächst dieses Prinzip erläutert:

Die Zeit des Watchful Waiting darf nicht passiv verstreichen, es darf also nicht nur abgewartet werden, bis dann medizinisch zu handeln ist. Vielmehr geht es jetzt darum, den „Tag zu nutzen“, weswegen ich diesen Zeitabschnitt, wenn er nicht nur abwartend beobachtet wird, als Carpe Diem Etappe der Watchful Waiting Phase bezeichne. Er birgt viele Gelegenheiten, kofaktorielle Belastungen aufzuarbeiten und den Zellstoffwechsel und die Mitose-Differenzierung zu regenerieren und zu stabilisieren, sei es mit Ioneninduktionstherapie, lokaler Hyperthermie, systemischer Fiebertherapie oder / und biologischen Infusionen mit Peptiden.

Weitere Aspekte zum Carpe-Diem-Prinzip: Die schlechteste Variante des bloßen Wartens ist die sogenannte Nachsorge. Schon der Begriff impliziert eine negative Grundeinstellung. Während diese Zeit, mit dem Prinzip des Carpe Diem gestaltet, als die Phase der Zukunftsfreude bezeichnen werden kann, weil sich in einem bis dahin oft trist gewordenen Leben vieles ändert und neue Impulse gesetzt werden, bleibt sie, als Nachsorge deklariert, durch ungebrochene Negativität geprägt. Hatte schon die Diagnose Krebs über das Leben des Betroffenen eine neue Überschrift gesetzt, nämlich „ich muss früher sterben“, so gibt die „Nachsorge“ den passenden Untertitel: „es werden Metastasen folgen“.

Das Carpe Diem Prinzip in der Watchful Waiting Phase enthält folgende Komponenten:

•    Milieuregeneration statt Abwarten – Rekompensation statt Nach-Sorge
•    Immunmodulation mit Misteltherapie und / oder (je nach Ergebnis der Lymphocytentypisierung) zytokinotoper Mikroimmuntherapie mit homopathisierten Labolife-Präparaten (siehe unten).
•    Verbesserung der Psychodynamik
•    Verbesserung des Zellstoffwechsels und der Enzymkaskaden-Aktivierung (mit Ioneninduktionstherapie – siehe unten – und Fiebertherapie und biologischer Infusionstherapie mit u.a. Organpeptiden
•    Reduktion von Störfeldern (dabei dringend auch Abklärung dentaler und peridentaler Entzündungsmediatoren) und Kofaktoren
•    Optimierung von:  Mitose, Differenzierung, Mitochondrien, Zell-Elektrizität (mit Ionenduktionstherapie – siehe unten)
•    Ioneninduktionstherapie (siehe unten) mit dem PapImi-Gerät bei Tumormanifestationen

Mit dieser Strategie, die - von wenigen anfänglichen Intensivmaßnahmen abgesehen - die ganze Zeit über in recht niedriger Intensität und ohne dass dies den Patienten relevant belastet hätte, meist als Betreuung aus dem Hintergrund lief, ist es gelungen, dem Patienten über mindestens 12 Jahre hinweg ohne eigentliche medizinische Intervention eine optimale Lebensqualität zu sichern, und es ist nicht übertrieben, die Aussage zu treffen, dass dieses Ergebnis nicht erreicht worden wäre, wenn zu Beginn der Diagnosestellung vor mehr als 12 Jahren die üblichen schulmedizinischen Standardbehandlungen eingesetzt hätten.

Dabei galt immer: Wenn klinische Hinweise auftreten, dass eine relevante Tumoraggressivität einsetzt, müssen die therapeutischen Maßnahmen über jene des Carpe-Diem-Prinzips der Watchful-Waiting-Strategie hinausgehen und auch tumorzellzerstörende Zielrichtung erhalten.

Diese Situation ist ansatzweise in der ersten Hälfte des Jahres 2016 entstanden, nicht etwa in der Weise, dass klinische Symptome oder morphologische Veränderungen aufgetreten wären, sondern in der Form, dass sich das PSA Niveau (wenngleich auch in der Verlaufsdynamik betrachtet nur diskret, aber doch in der Werte-Entwicklung nicht zu übersehen) weiter verschlechtert hatte und in der Form, dass der Apo 10 Score und der TKTL1-Score ebenfalls (auch diese beiden Werte nur diskret, aber in der Zielrichtung ebenfalls nicht zu ignorieren) eine höhere Wahrscheinlichkeit für pathologische (Krebs-artige) Mitosen signalisierten.
Der Apo 10 Score hielt sich im Rahmen der für bei dem Patienten üblichen Schwankungen (ein Anstieg von 133 auf 139 ist nicht signifikant) konstant. Eventuell – sehr kritisch betrachtet – war zu konzidieren: man könnte aus der Dynamik von Dezember 2014 zu 2016 über jetzt drei Messdaten hinweg eine sehr geringfügige Anstiegstendenz ableiten, die aus der Retrospektive dann genauer eingeschätzt werden kann, wenn ein weiteres Ergebnis nach einer Behandlungsphase vorliegt, die ich dem Patienten nun als Therapie in der naturheilkundlichen Klinik Paradiese empfahl. Alle anderen Ergebnisse, insbesondere die des Blutbildes und der Lymphocytentypisierung waren wieder (Anfang 2016) sehr zufrieden stellend, bis auf die Zahl der Fresszellen (T8z), diese zeigten sich wieder etwas stimulationsbedürftig, was als weiteres Indiz für eine Behandlung in der Klinik Paradiese zu sehen war.

Zur Erläuterung des Apo10- und TKTL1-Score:

„Apoptose“ ist ein Begriff für den programmierten Zelltod, der in jeder gesunden Körperzelle genetisch festgelegt ist. Die Apoptose schaltet sich automatisch ein, wenn eine Zelle aus ihrem Zellverband ausgebrochen ist und eigenständig zu wuchern beginnt. So wird verhindert, dass sich aus einer einzelnen entarteten Zelle ein Krebsknoten entwickeln kann. Denn es ist normal, dass bei den unzählig vielen Zellteilungen jeden Tag die eine oder andere Zelle dem gesunden Programm nicht mehr gehorcht und damit potentiell zur Krebszelle wird. Die Apoptose gewährleistet aber, dass das Abweichen von den gesunden Zellfunktionen automatisch mit dem Absterben der Zelle verbunden ist. Krebszellen sind also unter anderem dadurch charakterisiert, dass in ihnen die Apoptose mehr oder weniger stark abgeschaltet ist. Durch  den Nachweis  des Apo10-Antigens  in  Makrophagen („Apo-10-Score“) ist es möglich,  Störungen  der  Apoptose zu  messen  und  hierüber  einen  frühzeitigen  Hinweis  auf wuchernde Zellen zu erhalten. Der Marker  Apo10  ist ein Ausdruck für den Grad, in dem die Apoptose in Krebszellen abgeschaltet ist. Er  wird unabhängig  von der Art des Tumors hochspezifisch  in  Tumorzellen produziert und ins Blut freigesetzt und lässt den „Apo-10-Score“ ansteigen. Insofern ist der Apo10-Marker ein Maß für die Tendenz der Tumorzellen, sich zerstörerisch zu gebärden. Umgekehrt eignet sich der Rückgang dieser Zahl, das Ansprechen der Therapie anzuzeigen.
Das  „Transketolase-like-l-Protein“  (TKTL1)  wird  von  Tumorzellen gebildet,  wenn  sie  vom Verbrennungsstoffwechsel  (Energiegewinnung aus Zucker mit Sauerstoff) auf  Vergärungsstoffwechsel (Vergärung von Zucker ohne Sauerstoff)  umschalten. Dies ist charakteristisch für aggressive Krebszellen.
Je mehr TKTL1 im Blut gefunden wird, desto ausgeprägter zeigt dies, dass der gesunde Zellstoffwechsel zurückgeht und der krebstypische krankhafte Zellstoffwechsel in den Vordergrund rückt. Der Wechsel von Verbrennung in Vergärung von Zucker innerhalb der Zelle ermöglicht  dem  Tumor, sich verdrängend und in die Nachbarschaft einwachsend zu entwickeln und Metastasen zu bilden und sich vor der Wirkung der Behandlungsmaßnahmen zu entziehen.

Eine Nachkontrolle des PSA früher als drei Monate nach Abschluss der Behandlung ist nicht sinnvoll. Dies hat folgenden Grund: Man weiß, dass durch eine laufende Behandlung, wenn zum Beispiel Tumorzellen zerfallen, das auf den Tumorzellen haftende PSA frei wird und der Wert im Blut daher vorübergehend ansteigen kann. Deshalb gilt, dass kurzfristige Kontrollen innerhalb einer laufenden Behandlungsphase mit großer Vorsicht interpretiert werden müssen.
Um den PSA-Wert nicht zu beeinflussen, gelten 48-Stunden vor dem PSA-Test folgende Prinzipien: kein Fahrradfahren, kein Heimrudersport oder Hometraining-Geräte-Benutzung, nicht Reiten, kein Leistungssport, kein Sex, kein Aspirin oder Markumar, keine Verstopfung (Stuhlentleerungsstörung) im Darm, keine digitale Untersuchung im Darm.

Lokale Hyperthermie: Nachdem nun im Frühjahr 2016 nach 12 Jahren diskrete Anzeichen für den Übergang des Watchful Waiting in die Therapiephase auftraten, war als erste über die oben beim Carpe-diem-Prinzip beschriebenen (und im vorliegenden Falle  absolvierten) Maßnahmen hinaus die lokale Hyperthermie zu empfehlen, die nach der ersten Intensivphase noch als Erhaltungstherapie intermittierend über wenige Monate weiter angewendet werden sollte.

Erst nach eventueller Erfolglosigkeit dieses Behandlungsschrittes ist eine Erweiterung der Therapiestrategie in geeignete schulmedizinische Strategieverfahren zu überlegen, z.B. durch Integration der Brachytherapie (https://de.wikipedia.org/wiki/Brachytherapie) und der antihormonellen Therapie.

Residualzellen-Prophylaxe:

Mit diesem gestaffelten Vorgehen sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich „Residualzellen“ durchsetzen, die bei dem frühzeitig behandelten Prostatakarzinom nicht selten unter dem Bild der hormonrefraktär gewordenen Metastasensituation das klinische Bild und die Prognose gravierend negativ beeinflussen. Viele Tumorarten enthalten nämlich einen erheblichen Anteil sogenannter „bad guys“, die auf herkömmliche Therapiestategien (Antihormone, Chemo- und Strahlentherapie) nicht ansprechen, die vielmehr sogar aktiviert werden, wenn die weniger aggressiven Anteile („good guys“) des Tumors zum Beispiel durch Antihormone oder Chemotherapie eradiert werden. Diese weniger aggressiven (good guys) scheinen einen antiproliferativen Effekt auf „bad guys“ auszuüben, der aber entfällt, wenn diese frühzeitig durch eine Standardtherapie eliminiert und die gesunde Umgebung und das Immunsystem gleichzeitig geschwächt werden.

„Good guys“ sind zwar bösartige Zellen, jedoch verhalten sie sich wenig bösartig (sind also relativ gutartig). Der Pathologe beschreibt solche Zellen unter dem Mikroskop richtigerweise eindeutig als Krebszellen. Das ist aber eine Formbeschreibung, nicht jedoch eine Aussage über ihre Funktion. Eine solche Krebszelle kann zwar mehrere der zwölf zytologischen-histologischen Bösartigkeitskriterien einer Krebszelle aufweisen, die medizinisch eine Krebszelle definieren, sich aber dabei relativ harmlos, also wenig aggressiv, verhalten oder sich umgekehrt als sehr aggressiv und resistent gegen Therapiemaßnahmen zeigen. Im Ersteren Fall nennen wir sie good guys, im zweiten Falle bad guys. Um die Relation der good zu den bad guys innerhalb einer Tumorformation abzuschätzen eignet sich die DNA Bildzytometrie recht gut.

Auf diesen Umstand ist die häufig zu beobachtende Tatsache wahrscheinlich zurückzuführen, dass standardtherapeutische Verfahren in einer ersten Phase ansprechen (bzw. anzusprechen scheinen), die Metastasierung aber nach relativ kurzer Zeit (einige Monate) rezidiviert und offenbar ihren Charakter verändert hat (eben weil sie jetzt durch „bad guys“ bestimmt wird) und nun mehr oder therapierefraktär geworden ist.

Die beschriebenen Maßnahmen des Carpe-Diem-Prinzips (vor allem die dabei intermittierend applizierte Ioneninduktionstherapie und die Mikroimmuntherapie) stärken einerseits die Umgebung und das Immunsystem und inaktivieren andererseits die „bad guys“ so weit, dass entweder eine Tumorrückbildung insgesamt erfolgt oder aber eine spätere antitumoröse Behandlung nicht mehr mit dem durch „bad guys“ induzierten Rebound-Phänomen gefolgt wird, und dies bei gleichzeitig verbesserter Lebensqualität gegenüber der primär eingesetzt habenden schulmedizinischen Standardtherapie. Offenbar ist das Einschlagen des Weges, die gesunden Prinzipien (Zellstoffwechsel, Mitochondrien Aktivität, Apoptose, Ionenfluss, Re-Differenzierung) zu fördern statt die krankhaften zu zerstören, gerade hier der effektivere.
Die im Deutschen Ärzteblatt vom 14.4.10 referierte fehlende Response von Glioblastomen gegenüber Standardtherapieverfahren basiert auf diesen Zusammenhängen und bestätigt die Richtigkeit der Devise, dass aggressives medizinisches Handeln nicht immer das Beste für den Patienten ist. Diese Publikation des Deutschen Ärzteblattes beschreibt den Charakter und die Therapieresistenz von „bad guys“ wie folgt: „Das Glioblastom ist eines der am wenigsten heilbaren Tumorerkrankungen. Die durchschnittliche Überlebensdauer beträgt 15 Monate. Die nach einer operativen Entfernung verbleibenden Residualzellen streuen in das umliegende Gewebe und sind maßgeblich für die schlechte Prognose verantwortlich. Verstreute Tumorzellen, die nach Operationen von Glioblastomen oft im Gewebe verbleiben, sind Gegenstand neuer Erkenntnisse: Sie unterscheiden sich grundlegend von ihren Ursprungszellen und sind daher durch Bestrahlung oder Chemotherapie schlechter zu behandeln.“ Meine Erfahrungen mit Verläufen von Prostatakrebs-Erkrankungen und deren „bad-guy“-Zellen-Anteil entsprechen genau dieser für Gehirnkrebs (hier: Glioblastom) beschriebenen Situation von „Residualzellen“.

Die Wirkung der Ioneninduktionstherapie mit dem PapImi-Gerät – deren Einsatz sowohl in der Carpe-diem-Phase des Watchful Waiting als auch in der eigentlichen Therapiephase (bevor andere schulmedizinische Maßnahmen einsetzen und günstigenfalls auch bevor die lokale Hyperthermie beginnt sinnvoll ist – erläutere ich wie folgt:

Das Ruhe-Membranpotential einer gesunden Zelle beträgt minus 70 – 90 mV, das einer Krebszelle ca. minus 15 mV. Krebszellen leben davon, dass die Zellwandspannung niedrig bleibt. Die Erhöhung der Zellwandspannung raubt den Krebszellen Lebenskraft. Die durch PAP IMI /zugeführte Bioenergie regt den Kalium-Natrium-Austausch der Zelle an, was für die Ionenkonzentration und die Aufrechterhaltung des Transmembranpotentials wichtig ist. Mit der Zuführung und Erhöhung der Bioenergie durch das PapImi-Gerät kann die Zelle ihre elektrischen Schwierigkeiten überwinden und sich so, gemäß ihrer ursprünglichen Programmierung, aktivieren, sodass sie nach einer gewissen Zufuhrmenge von selbst damit fortfährt und weiterhin das Gleichgewicht der Ionenkonzentration aufrecht erhalten kann. Auf diese Weise wird die Balance wieder hergestellt, Entzündungen klingen ab und entdifferenzierte Zellen finden zur Differenzierung zurück. Insofern wirkt die Ioneninduktionstherapie als Stimulus der natürlichen Funktionen und stellt aus der Unordnung der Krankheit die ursprüngliche Ordnung der Zellaufgaben und -interaktionen wieder her. Die PapImi-Impulse heben das bioenergetische Niveau der Zellen an und unterstützen so die Selbstheilungsvorgänge des Körpers. An den Ionenkanälen wird die Elektroporation verbessert, was den Transport von Mikronährstoffen und Medikamenten über die Ionenkanäle intensiviert. Der mitochondriale Stoffwechsel wird stimuliert, belastende Stoffwechsel-Metabolite können besser ausgeschleust werden. In der genetischen Zellprogrammierung, in der Krebszellen das auch ihnen immanente Apoptose Prinzip ausgeschaltet haben, kommt es zu einer Genaktivierung und damit zur apoptotischen Re-Induktion, was zum Absterben von Krebszellen führt. Diese manifestiert sich morphologisch als narbige Schrumpfung. Im Falle operativer Tumorentfernung nach PapImi-Therapie bestätigt sich oft die zentrale Nekrose in Verbindung mit fibrotischer Schrumpfung. In CT Nachkontrollen zeigen sich kleine strangförmige narbige Reste vorausgegangener größerer rundlich-solider Formationen. Die Vorfahren der Krebszellen verfügten ja noch über die ganze Bandbreite differenzierter Informationen und Gen-Aktivierungen, die die Organzelle als solche spezifisch charakterisieren. Dieser genetische Bestand ist ja bei ihren karzinomatösen Nachkommen nicht eliminiert, sondern von diesen lediglich inaktiviert worden, und sie halten diesen Zustand dank ihres durch niedriges Zellmembranpotential gewährleisteten Kriechstromverhaltens und ihre dank Gärstoffwechsel gesicherten Energiearmut (2 statt 64 Mol ATP/pro Mol Glucose) aufrecht. Die Aufladung der Zellwandspannung und die Regeneration des Zellstoffwechsel-Metabolismus und der mitochondrialen Aktivität reaktiviert auch das vollständige Ablesen des ursprünglichen genetischen Codes der Zelle, sodass die entdifferenzierte Krebszelle in ihren auf die PapImi-Therapiesitzung folgenden Mitosen wieder differenziertere Zellen in der Mitosephase erzeugt, die dementsprechend auch über eine bessere DNA-Stabilität und mitochondriale Kompetenz verfügen. Die stetige Wiederholung dieser Impuls-Therapie induziert einen sich aufschaukelnden Re-Differenzierungs-Prozess nachwachsender Zellgenerationen und unterbricht die Autonomie karzinomtypischer Entdifferenzierung. Dies ist auch der Grund, warum das PapImi-Gerät bei onkologischen Indikationen als Serienapplikation im Sinne eines Dauerbeschusses eingesetzt werden sollte. Wahrscheinlich arbeitet es dabei umso effektiver, je häufiger die PapImi-Impulse in die Mitosephase fallen.

 

Die Wirkung der Immunmodulation mit zytokinotoper Mikroimmuntherapie mit homopathisierten Labolife-Präparaten – deren Einsatz ebenfalls sowohl in der Carpe-diem-Phase des Watchful Waiting als auch in der eigentlichen Therapiephase sinnvoll ist – erläutere ich fachlich (eine Laien-verständliche Erläuterung findet sich weiter unten) wie folgt:

Die freie bedarfsadäquate Kommunikationsfähigkeit zwischen humoralem und zellulärem Immunsystem ist für die Erkennung tumoröser Antigene (also auch von Krebszellen) von großer Bedeutung, ebenso wie die ausreichende Verfügbarkeit über die zellulären Komponenten des Immunsystems. Die Zahl der Gesamtleucocyten, Gesamtlymphocyten, der T3-, T4-, T8z-, T8s, NK- und der B-Zellen zu differenzieren sowie den Aktivierungsgrad der T-Effektorzellen und der B-Zellen zu bestimmen ermöglicht eine für die Praxis ausreichende Orientierung über die zelluläre Immunkompetenz und deren zytokine (nicht zelluläre, humorale) Steuerung. Eine besondere Rolle spielt die Relation T8z (die phagocytären zytotoxischen T-Zellen) und T8s (die die laufenden Immunvorgänge abschaltenden – supprimierenden - T-Zellen). Der bei Krebskranken oft auftretende immunologische Defektzustand in den zellulären Proportionen ist therapeutisch über die nicht-zelluläre zytokinen Steuerung der Nachproduktionsrate wie des Aktivierungsgrades dieser Zellen als auch der interzellulären Funktionskommunikation auszugleichen. Die homöopathisierten Zytokin-Präparate, mit denen dieses Ziel realisiert wird, heißen Labo’Life-Präparate. Die Mikroimmuntherapie mit Labo’Life-Präparaten wird durch die europäische Gesellschaft für Mikroimmuntherapie (www.3idi.org) vertreten, der Ärzte und Therapeuten aus allen Ländern Europas angehören. Es handelt sich um eine zytokinotrope Immunmodulationstherapie, die den Informationstransfer sowohl über abzuwehrende antigene Reize also auch zu tolerierende Naturstoffe und autologe Proteine einübt, der sowohl bei Krebskranken als auch bei Autoimmunpathologien, Allergien und chronisch schleichenden oder rezidivierenden Entzündungsprozessen, Hirnfunktionsstörungen, gestörten Neurotransmitterprozessen und anderem gestört ist.
Das Prinzip der Mikroimmuntherapie besteht darin, dass sie im Gegensatz zum Einsatz substantiell hochdosierter Zytokin-Mono-Präparate, die in der Schulmedizin üblich sind (MAK, Interferon, Cortison und ähnliches), die mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden sind, unter Beachtung der „Arndt-Schultz’schen Regel“ mit homöopathischen Zubereitungen der den Zellen eigenen und die spezifischen Immunvorgänge steuernden Zytokin-Kaskaden konzipiert sind. So weit ist die zytokinotope mikroimmuntherapeutische Immunmodulationstherapie mit homöopathisierten Labolifepräparaten für medizinisch Ausgebildete erläutert.

Um die Aspekte der immunmodulatorischen Verbesserung des zytokinotropen interzellulären Informationstransfers auch Patienten verständlich zu machen, die ich mit mikroimmuntherapeutischen Labo’Life-Präparaten behandle, benutze ich einfachere Worte, die nachstehend wiedergegeben sind.
Dass die folgende Erklärung hier also sehr vereinfacht und bewusst bildhaft gehalten ist, möge man mir zugunsten der besseren Verständlichkeit verzeihen: Bei den Zellen des Immunsystems gibt es solche, die wissen, wie eventuelle Feinde aussehen (B-Zellen). Sie zirkulieren im Blut wie Streifenpolizisten und schauen nach dem Rechten. Tauchen Fremdlinge auf, wird geprüft, ob sie zu tolerieren sind oder abgewehrt werden müssen (die B-Zellen sind schon früher mit den entsprechenden Informationen ausgestattet worden). Wenn sie als Feinde identifiziert werden, fordern die „Streifenpolizisten“ in der „Zentrale“ unverzüglich Verstärkung an (T4-Helferzellen). Diese riegeln die Eindringlinge ab. Dann wird das „Aufräumkommando“ angefordert: Die Fresszellen (Makrophagen, T8z=Zytotoxische T-Zellen) docken an den Eindringlingen an, umhüllen sie, überschütten sie mit auflösenden Substanzen und saugen ihre Reste auf. Der Blut-und Lymphstrom schließlich spült den Schauplatz wieder frei. T8-Suppressorzellen wachen darüber, dass der Feierabend eingeläutet wird, sobald die Arbeit getan ist, um zu verhindern, dass sich die Abwehr- und Fressaktivität eventuell sogar gegen körpereigene Strukturen richtet. Diese Dramatik benötigt ein gut funktionierendes Kommunikationssystem: Die Informationsübertragung geschieht dabei so, dass die eine Zelle der anderen an ihrer Oberfläche bestimmte Zytokine präsentiert und dadurch die jeweilige Information vermittelt. Das zytokin-gesteuerte Informationssystem besteht aus einer sehr großen Vielzahl zahnräderartig ineinandergreifender (kaskadenförmig vernetzter) Eiweißmoleküle. In den letzten Jahren wurden immer mehr dieser sogenannten Zytokine entdeckt (mittlerweile etwa 100 verschiedene), die als Interferone, Interleukine, CD-Fraktionen und Wachstumsfaktoren bezeichnet werden. Einer dieser Faktoren stößt den nächsten an. Jedenfalls läuft eine Reaktionskette über viele Stationen ab, deren ungestörter Ablauf die richtige Information überträgt.
Wie schon oben zum Verständnis der Zusammenarbeit der verschiedenen Immunzellen ein Bild benutzt wurde (das der unterschiedlichen polizeilichen Einsatzkräfte), soll uns auch zum Verständnis des vorigen Abschnittes (der zytokinen Kommunikation unter den Zellen) ein Beispiel aus unserem Alltag helfen: Alles, was wir sprachlich ausdrücken und anderen Menschen übermitteln, geschieht so, dass wir die 26 uns dafür zur Verfügung stehenden Komponenten (Buchstaben) unterschiedlich zusammenwürfeln und dem Gesprächspartner spezielle Buchstabenkombinationen präsentieren. Verfügt dieser über den gleichen Entschlüsselungscode (zum Beispiel die deutsche Sprache), kann er die Botschaft verstehen. Seine Antwort ist ebenfalls eine spezielle Zusammensetzung von Buchstaben.
Eine Fremdsprache benutzt zwar (zumindest innerhalb Europas) die gleichen Komponenten (eben die 26 Buchstaben), setzt diese aber nach einem anderen Code zusammen. Wenn wir früher zum Beispiel Französisch gelernt und gut gesprochen hatten, es aber jahrelang nicht praktizierten, verlernten wir den spezifischen französischen Code und benötigen, damit wir wieder französisch kommunizieren können, einige Nachhilfestunden, um die typischen französischen Buchstabenkombinationen wieder zu verinnerlichen. Die Kommunikation der Immunzellen untereinander erfolgt nach dem gleichen Muster: Die Buchstaben der Sprache der Immunzellen heißen Zytokine, und diese werden der zu übermittelnden Botschaft gemäß kombiniert und den anderen Zellen an der Zellenoberfläche gezeigt (präsentiert), so dass diese, wenn sie die gleiche Sprache verstehen, erkennen, was gemeint ist und auf der gleichen Ebene antworten können. So stellt zum Beispiel die Information „es werden mehr aktive Fresszellen benötigt“ eine andere Zytokinkombination dar als die Information „das Immunsystem soll in den Ruhezustand herunter geregelt werden“.
Wenn das Immunsystem das Verständnis für die sprachlichen Feinheiten verlernt hat (wie man die sprachliche Differenzierung einer Fremdsprache verlernen kann), ist Sprachunterricht nötig, damit die Zellen wieder in vollem Umfang an der immunologischen Kommunikation teilnehmen können. Der Sprachunterricht besteht darin, dass dem Immunsystem einige Wochen oder Monate lang die mit bestimmten Informationen verbundenen zytokinen Kombinationsmuster von außen präsentiert werden, und zwar mehrfach wiederholt in verschiedenen aufeinander aufbauenden Lektionen (Kapseln 1 bis 10). Genau dies ist die Aufgabe der Mikroimmuntherapie: Sprachunterricht für die Zellen des Immunsystems durchzuführen. Die Inhalte, die dabei verwendet werden, sind je nach der zu trainierenden Immunleistung unterschiedlich und stellen eben jene Botschaften dar, die bei der vorliegenden Krankheit von den Zellen nicht mehr selbst übertragen wurden. So lernen die Zellen die spezifische Botschaft wieder zu verstehen und zu verarbeiten, was die Grundlage dafür ist, dass sich das Immunsystem erholen kann.
Während uns für alles, was wir denken und sprechen können, 26 Komponenten genügen (Buchstaben), stehen dem Immunsystem mehr als 100 Komponenten zur Verfügung (Zytokine). Damit ist eine unvorstellbar differenziertere Kommunikation unter den Zellen möglich – eine beachtenswerte Leistung der Natur und eines von vielen Beispielen, die uns die bewundernswerte funktionelle Plastizität des biologischen Systems vor Augen führt.
Die Mikroimmuntherapie macht sich die Arndt-Schultz’sche Regel zunutze, wonach schwache Reize die Aktivität von Lebensvorgängen anfachen und starke sie schwächen. Das bedeutet, dass man mit niedrigen Potenzen von Immunstoffen die Wirkung derselben im Organismus fördern kann und deren Wirkung umgekehrt durch hohe Potenzen gehemmt wird.
Über die homöopathisierten Zytokinkombinationen hinaus sind den mikroimmuntherapeutischen Labo’Life-Präparaten sogenannte spezifische Nucleinsäuren beigefügt, die dazu dienen, die Wirkung des Präparates am jeweiligen Zielort besonders zu entfalten (z. B. an bestimmten Krankheitskeimen -  Epstein Barr Viren oder Papillomaviren - oder an Körperstrukturen – Gehirn, Nervenfasern, Auge -, oder – an HLA-gebundenen Gen-Lokalisationen, wie bei den Krebs-bezogenen Labo’Life-Präparaten. 
Über die grafische Darstellung der Lymphocytentypisierung wird die Schwäche des Immunsystems ermittelt und daraus abgeleitet, welche Zytokine in welcher homöopathischen Potenz benötigt werden. Insofern ist die Mikroimmuntherapie auch Regulationstherapie. Sie greift nicht störend in den Organismus ein, sondern weckt und trainiert seine Selbstheilungskräfte.

Dr. Karl Braun von Gladiß