Dr. med. Karl Braun-von Gladiß
Mr. Purdeys Kampf!
Auf der Internetseite von Mark
Purdey waren interessante Informationen zu finden. (http://www.bse.org.uk/witness)
Ich möchte an dieser Stelle einige von ihnen in Kurzform wiedergeben.
Ich weise darauf hin, dass ich für die Richtigkeit der Übersetzung keine
Haftung übernehme.
Herr Purdey ist englischer
Wissenschaftler und betreibt 1998 als Milchviehhalter eine Farm in Tauton,
Somerset.
Bis 1984 war die Welt in Ordnung. Dann wollte die Regierung Purdey zwingen, OP
auf seinem Betrieb einzusetzen. Seine Argumente dagegen:
Mit dem
Dasselfliegen-Gesetz von 1982 verlangte das Ministerium, daß die Landwirte die
Dasselfliegen zweimal pro Jahr mit Organophosphat („OP“) bekämpften.
Studien hatten darauf hingewiesen, daß die Gefahr bestehe, daß OP-Rückstände
die Kuhmilch kontaminieren könne. Ich argumentierte außerdem, daß diese
Chemikalien zu neuro-toxologischen Langzeitschäden bei anfälligen Arten
von Kühen und bei Menschen, die gefährdet sind, führen können. Ich befürchtete
eine Epidemie von neuro-degenerativen Erkrankungen als Folge des
Dasselfliegen-Gesetzes.
Ich hatte zuvor „Derris“ mit hundertprozentigem Erfolg eingesetzt. „Derris“
ist eine natürlich vorkommende Verbindung, welche die Dasselfliegenlarven nach
zweimaliger Anwendung in mehrtägigem Abstand sofort abtötet.
Mir war bewusst, daß, falls das Vieh bei einem OP Einsatz zeitgleich mit
Fliegen abweisenden Stoffen und Wurmkuren behandelt wird, dies die Balance in
der Chemie der Tiere beeinflussen kann. Auch war ich besorgt um das Wohlergehen
meiner zu der Zeit schwangeren Frau. Es gab damals bereits einige Fälle von
Fehlgeburten bei Landwirtsfrauen, nachdem diese mit OP in Kontakt gekommen
waren.
Das Ministerium akzeptierte seine
Argumente nicht und wollte seine Herde zwangsbehandeln lassen. Erst nachdem
Purdey Anwälte eingeschaltet hatte, einigte er sich 1985 mit dem Ministerium.
Danach war seine Milchviehherde von einer Behandlung befreit. Er musste
allerdings seine 26 Färsen mit einem nicht OP-haltigem Mittel behandeln. Diese
Tiere weideten in einem Dasselfliegengebiet.
Purdeys Kampf gegen die von ihm vertretene Theorie über eine Verbindung von OP
Einsatz und BSE geht weiter. Dazu schrieb er im Dez. 1987 an den “Farmers
Weekly”:
..daß
„meine eigenen unabhängigen Inspektionen einiger Betriebe, die von dieser lähmenden
neurotoxischen Erkrankung befallen waren, ergeben hatten, daß Dasselfliegen-Flüssigkeiten,
die „phosmet“ enthalten, und eine Marke von Futtermitteln (
Zusammensetzungen von insektizidbehandelten Rohstoffen) die gemeinsamen Nenner
dieser Betriebe waren. Jeder einzelne oder auch beide dieser zugeführten
Stoffe könnten als verzögerter neurotoxischer „Missetäter“ für das
genetisch-bedingt anfällige Holsteinische Vieh, das von BSE befallen war,
dienen.“
Auch wies ich in meinem Brief darauf hin, daß Dr. Cavanagh und Dr. Bouldin „intraneuronale
aufgeblähte Vakuolen“ und „neurofibrilline proteinhaltige Anhäufungen“
in der grauen Substanz des Hirnstammes im degenerierenden Nervengewebe von
Tieren, die mit OP vergiftet waren, gefunden hatten. Diese Kennzeichen ähneln
den Hauptaspekten der BSE-Pathologie.
In einem Brief vom Juli 1990 an die gleiche Zeitschrift merkt Purdey an:
...ich finde es interessant, daß keines meiner ca. 250 Stück Vieh, die auf meinem Betrieb aufwuchsen und konstant mit der Marke von Futtermitteln gefüttert wurden, die in Verdacht steht, den BSE-Verursacher zu enthalten, BSE-Symptome zeigten“. Vielleicht ist der gemeinsame Nenner meiner Herde, daß ich es konstant abgelehnt und vermieden habe, auf anti-cholesterase basierende Insektizide und Wurmkuren anzuwenden.
Im Juli 1991 wird auf Purdeys Betrieb
an einer Kuh BSE festgestellt. Dieses Tier wurde von einem anderen Betrieb
zugekauft und vermutlich in der Jugend mit OP behandelt. Der Wunsch Purdeys
eigene Untersuchungen am Hirn des toten Tieres zu vollziehen, wurde ebenso
abgelehnt wie seine Theorie.
In einem Bericht Anfang 1992 an die “Ecologist” ist zu lesen:
Ich merkte an, daß die Epidemie sich in den Gebieten am stärksten ausbreite, die die MAFF in den 80ern als Dasselfliegen-Ausrottungsgebiete auserkoren hatte. In diesen Gebieten wurden damals alle Kühe mit OP behandelt. Eine freiwillige Behandlung der Kühe außerhalb dieser Gebiete wurde von der MAFF befürwortet und unterstützt. Es gab keine Berichte, daß Kühe, die auf biologischen Betrieben geboren und aufgezogen wurden, jemals an BSE gestorben waren. Die große Mehrheit der biologischen Landwirte hat den Gebrauch von hochdosiertem OP vermieden und es ist interessant, daß viele Kühe auf diesen Farmen mit genau dem Futtermittel gefüttert wurden, daß als Verursacher dieser Krankheit angesehen wird. Ich führte Ähnlichkeiten zwischen BSE und einer chronischen niedrig dosierten OP-Vergiftung auf und wies darauf hin, daß diese Chemikalie bewiesenermaßen Krebs erzeuge.
Doch auch diese Warnungen stießen bei den zuständigen Stellen auf taube Ohren. Im Sommer 1992 zeigte Purdeys Kuh “Damson” Anzeichen von BSE. Auch dieses Tier war zugekauft und seinerzeit mit einem OP Insektizid behandelt. Herr Purdey wollte an diesem Tier Behandlungen vornehmen, die seine Theorie beweisen sollten. Ihm wurde dieser Wunsch für 14 Tage erfüllt, unter der Bedingung, dass das Tier unter staatlicher Aufsicht isoliert gehalten wurde und der Gesundheitszustand der Kuh sich nicht verschlechterte.
Am 16.7.1992 injizierte Purdey seiner Kuh “Damson” Mittel, die die Truppen im Golfkrieg als Gegenmittel zu Nervengas einsetzten. Innerhalb 90 Minuten schienen die Symtome der Kuh nachzulassen. Über das folgende Wochenende verschlechterte sich der Zustand des Tieres und am Montag wies ein Tierarzt des MAFF Purdey an, “Damson” zu schlachten. Der behandelnde Tierarzt durfte keine weitere Behandlung an dem Tier vornehmen. Einen Tag später lag die Kuh am Boden und wurde geschlachtet. Einen Monat später bestätigte sich der BSE Verdacht. In einem ständigen Schriftverkehr zwischen Herrn Purdey und den Behörden geht es um das Pro und Kontra über den Zusammenhang zwischen OP und BSE.
Der nächste BSE Fall bei Purdey:
Im April 1993 stellte ich fest, daß „Brainstorm“, meine 2,5 Jahre alte Jerseykuh sich BSE von ihrer Mutter „Churnside Birthday“, die an dieser Krankheit litt (s. 1. BSE Fall) und nicht mit Futter gefüttert wurde, das kontaminiertes Protein enthielt, zugezogen hatte. „Brainstorm“ wurde nach dem 1988er Verbot, Proteine von Wiederkäuern in Futter für Wiederkäuer zu mischen, geboren. Das Tier wurde ausschließlich mit organischem Futter gefüttert und zeigte doch alle Anzeichen für BSE. Die einzige Verbindung zu BSE bestand darin, daß ihre Mutter daran erkrankt war. Der Regierungsveterinär besuchte meinen Betrieb drei Mal. Bei seinem ersten Besuch hinterließ er eine „Form A“ Anordnung bei der Kuh. Der Tierarzt und ich stellten folgende Symptome fest: Myoklonien, Nystagmus, Zittern unterhalb der Haut, Hypersensibilität auf Berührung und Geräusche, Angst, die Milch einschießen zu lassen, Gewichtsverlust, Geistesabwesenheit etc. Ich fing mit einer Magnesium Sulfat Behandlung an in der Hoffnung, die Symptome zu verringern. Am 10.05. besuchte der Regierungsveterinär meinen Betrieb erneut und konnte keine Symptome mehr feststellen, die auf BSE hinweisen. Somit wurde die Isolation aufgehoben. Der staatliche Tierarzt sagte, daß meine Kuh nicht vollständig gesund erscheine und schlug eine Untersuchung durch meinen Tierarzt vor. „Brainstorm“ lebte weiterhin auf meinem Betrieb und wurde gemolken bis sie im Herbst 1996 auf konventionelle Art geschlachtet wurde.
Herr Purdey fand weiterhin für seine Meinung selbst bei höchsten Regierungsstellen kein Gehör. Auch waren zuständige Stellen nicht bereit, intensive Forschungen in diese Richtungen zu betreiben. Ein Auszug von einem Treffen im Jan. 1994 auf höchster Ebene:
Während des
Treffens versprachen mir die Anwesenden, sich meine Theorie, daß OP BSE
verursacht, genauer zu betrachten, schlossen aber eine wissenschaftliche
Untersuchung meiner Theorie aus. Sie erschienen an meiner Theorie interessiert,
soweit diese durch Pestizide kontaminiertes Zitrusfruchtfleisch und
Getreidenebenprodukte betraf. Sie schienen weniger interessiert an der
Verbindung zwischen BSE und OP-haltigen Mitteln zur Bekämpfung von
Dasselfliegen und von Ungeziefer bei Schafen.
Wir waren uns einig, daß diese Krankheit langsam ausstarb. Die Beamten führten
dies auf das Verbot des Gebrauchs von „scrapie“-kontaminierten Futter, das
1988 in Kraft trat. Ich hielt dagegen, daß es in meiner Ansicht dadurch begründet
war, daß bestimmte Pestizide Ende der 80er zurückgezogen oder nicht mehr benötigt
wurden (z.B. die Ausrottung der Dasselfliege).
Auszüge aus Purdeys Schriftstück zu einem Symposium über Allergologie und Umwelt im Juni 1994:
...ich stellte in Frage, ob die BSE-Epidemie wirklich durch das kontaminierte Futter verursacht wurde. Ich führte an, daß 15.000 Rinder mit BSE diagnostiziert wurden, die niemals kontaminiertes Futter bekommen hatten, weil sie nach dem Erlaß des Verbotes von Tiermehl geboren wurden. Auch stammten 9.500 der 10.000 infinzierten Rinder, die nach dem Erlaß des Verbotes („BABS“) geboren wurden, von Muttertieren ab, die niemals Symptome von BSE gezeigt hatten. Dies schloß also die Möglichkeit aus, daß diese Tiere die Krankheit „geerbt“ hatten. Ich vertrat weiterhin meine Meinung, daß es die OP-Chemikalien seien, die für die Entstehung von BSE in den UK verantwortlich sind. Die Pestizide können die normale Proteinproduktion unterbrechen, was dann zur Bildung von mutierten Proteinen führt, die BSE verursachen.
Weiterhin wehren sich die Behörden
gegen die Darstellung von Herrn Purdey. Mit keinem Wort wird die Genesung des
Tiers “Brainstorm” erwähnt. Erneute Forderungen von Purdey nach
Untersuchungen der von ihm vertretenen Zusammenhänge werden vom Minister
abgelehnt.
Eine von der britischen Fernsehgesellschaft Channel 4 in Auftrag gegebene
Forschung zu Purdeys These (unter
Kapitel 19 des Originals) bei der MRC (??) wird nicht mit Phosmet, sondern
mit einem preisgünstigeren Mittel durchgeführt. Das Ergebnis führt nicht zu
dem von Purdey gewünschten Erfolg. Als Channel 4 bei der MRC die Arbeit
bezahlen will, ist dieses bereits geschehen. Der Name wird nicht genannt, es
wird aber erwähnt, dass “das MAFF im Besitz der Arbeit” ist.
Mit dieser Arbeit macht das MAFF anschließend im Nov. 95 Werbung in der
“Daily Mail”. Ebenso für das Ergebnis, das zu keinem anderem kam als bisher
von der Regierung vertreten. Weitere Gelder für Untersuchungen in diese
Richtungen sollen aufgrund dieser Arbeit nicht ausgegeben werden.
Dazu Purdey:
Ich schrieb im November 95 an Mrs. Browning (Juniorministerin des MAFF) und protestierte gegen ihren Brief an die Daily Mail. Ich schrieb am 03.01.96 erneut an die Ministerin und informierte sie, daß es zum derzeitigen Zeitpunkt keine aktuellen Forschungen durch die Regierung gebe, die meine Hypothese anfechteten, außer der „geklauten“ Untersuchung, die ursprünglich durch Channel 4 TV und der Toxikologieeinheit des MRC initiiert worden war. Ich bekam am 01.02.96 eine Antwort ihres Privatsekretärs, daß meine wissenschaftliche Theorie nicht haltbar sei.
Purdeys Kampf für seine Theorie geht in den Folgejahren weiter und die Regierung bleibt weiterhin auf ihrer Linie nach Worten von Purdey mit falschen Argumenten:
Es gingen noch weitere Irrtümer vom Ministerium aus. Ein Beispiel ist der Brief, den Mr. Hogg im August oder September 96 an Mr. King schrieb (zitiert im Brief von Mr. King an mich am 24.09.96), in dem der Minister angab, daß das MAFF die Versicherung der schweizerischen Behörden erhalten habe, daß in der Schweiz kein Phosmet benutzt worden wäre. Die Schweiz hatte 250 sonderbare Fälle von einheimischem BSE in den Rinderherden bestätigt.
oder wie beim 41. Treffen des SEAC:
...... Ich war
besorgt, weil Sir Collin Berry und Prof. Shaw Mitglieder im Regierungsausschuß
für Pestizide waren. Waren sie fähig, unparteiisch zu handeln? Ich hatte das
Gefühl, daß ihre Antworten (SEAC 44/1) bezüglich der Toxikologie naiv und
insgesamt voller Irrtümer und falschen Darstellungen waren von dem, was ich
eigentlich gesagt hatte.
Zum Beispiel benutzten sie ausschließlich Daten von den Phosmetherstellern. Auf
der Basis dieser Daten argumentierten sie, daß Phosmet ausschließlich das Fett
der behandelten Tiere kontaminieren und nicht in die Leber, die Niere oder die
Muskeln gelangen würde. Auf dieser Basis argumentierten sie wiederum, daß
Phosmet nicht in die Zellen gelangen würde. Sie behaupteten, daß Phosmet nicht
in Kontakt käme mit den „prion“ Proteinen und somit beide nicht aufeinander
wirken könnten. Somit sei es unwahrscheinlich, daß Phosmet eine Rolle in der
Verursachung von BSE spiele.
Als Gegenbeweis präsentierte ich Daten von rezensierten veröffentlichten
Artikeln von mehreren Teams, die Versuche mit Phosmet durchgeführt hatten.
Diese Artikel demonstrierten, daß Phosmet mit doppelter Intensität in Leber,
Niere und Muskeln eindringt als in das Fett.
Dennoch berücksichtigte die SEAC für ihre Schlußfolgerung ausschließlich die
Beweise, die Sir Colin und Prof. Shaw gefunden hatten und ignorierten meine
Beweise vollständig.
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