Dr. med. Karl Braun-von Gladiß

Dies ist eine Leseprobe aus dem Buch „Krebskranke Menschen in ganzheitlich-medizinischer Behandlung - Eine persönlich geprägte Schrift über Behandlungsgrundsätze und –methoden, die sich für mich in der Praxis der Therapie krebskranker Menschen bewährt haben“. Mai 2000 / 208 Seiten, Abbildungen und Grafiken. (Für Details zum Preis und Versand folgen Sie bitte dem obigen Link) 

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Lebensqualität und Lebenszeit

Ein 62-jähriger Patient mit einem in die Leber metastasierten Colon[1]carcinom stand vor der schwierigen Entscheidung, sich einer Chemotherapie zu unterziehen oder[2] sich biologisch behandeln zu lassen. Erst der Blick in den Bericht des Onkologen[3] ermöglichte ihm den klaren Entschluß, die bereits begonnene ganzheitliche Therapie fortzusetzen: der Onkologe hatte formuliert, daß das Ziel und die Erfolgswahrscheinlichkeit einer chemotherapeutischen Behandlung eine statistische Lebenszeitverlängerung von 4,3 Monaten sei. Dies empfand der Patient als zynisch, besonders im Hinblick auf die bekannte Tatsache, daß er diese kaum nennenswerte Verlängerung mit einer Minderung der Qualität seines Lebens bereits ab Therapiebeginn erkaufen würde. Erstaunlicherweise stellen Patienten ihren Onkologen selten die konkrete Frage, woran denn der Onkologe den Erfolg einer Chemotherapie konkret messen würde. Sie würden wohl oft, wenn ehrlich geantwortet wird, das Beurteilungskriterium der Lebenszeitverlängerung um einige Monate genannt bekommen, die neben der Remission[4] oder Teilremission[5] als wissenschaftlicher Maßstab für Response[6] gilt.

In der Biologischen Onkologie kann und will ich keine Zahlen zur Lebenserwartung treffen. Jede Krebserkrankung verläuft anders. Ein statistisches Mittelmaß sagt nichts zur Zukunft eines konkreten Patienten voraus. Schon das Einordnen eines betroffenen Menschen in eine Gruppe „gleicher“ Krebs-„Fälle“ ist nicht verwertbar und damit bedeutungslos. Dies wird mit Blick auf das Kapitel „Was ist Krebs und wie entsteht er?“ deutlich. Die Bedingungen, die die Bereitschaft zur Krebserkrankung bei einem Menschen entstehen ließen und unterhalten, sind es, von denen es abhängt, welchen Verlauf die Krankheit wahrscheinlich nehmen wird, und nicht die Klassifikation des Krebsknotens durch Wissenschaftler. Und diese Bedingungen gelten immer nur für diesen konkreten Menschen, sie sind also subjektiv. Die Dynamik der Krankheit läßt sich nur individuell abschätzen.

Aber bereits dieses ist nur sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich, wie viele Beispiele deutlich machen. In dem Buch[7] „Diagnose: Unheilbar - Therapie: Weiterleben” berichtet P.C.Roud über 12 Lebensgeschichten von Menschen, die als unheilbar galten und trotzdem genesen weiterlebten. Sein Auswahlkriterium war, daß diesen Mensch ihr naher Tod vorausgesagt worden war, und daß der genannte Zeitpunkt mindestens fünf Jahre überschritten sein mußte. Der gemeinsame Nenner des Überlebens bestand darin, daß jeder dieser Menschen sich spätestens am Punkt der Todesvoraussage entschlossen hatte, sich nichts mehr vorschreiben zu lassen und keine Einschüchterung mehr zu dulden, sondern absolut selbst zu entscheiden, ob und mit welcher Methode er sich behandelte oder behandeln ließ und alle Details seines Krankheitsweges in die eigene Hand nahm und darin behielt.

In den ersten Jahren meiner noch von häufigen Zweifeln durchzogenen Praxis ganzheitlicher Onkologie beeindruckte und ermutigte mich ein Zeitungsbericht mit dem Titel “Ich habe Krebs – na und?”, in dem ein junger Deutscher mit Fahrrad, Anhänger und seinen beiden Hunden in Tibet fotographisch vorgestellt wurde, dem die Krebserkrankung seinen Lebenstraum realisieren half: Wenn ich schon sterben soll, erfülle ich mir vorher wenigstens meinen Lebenstraum – eine Weltreise mit dem Fahrrad.

Ein 33-jähriger Maler aus England verklagte, nachdem er längst wieder arbeitsfähig und gesund war, seine Ärzte wegen des eingejagten Todesschrecks, weil sie ihm drei Jahre vorher eine verbleibende Lebensdauer von drei Monaten vorausgesagt hatten.

Die Gutachter von Erich Honnecker hatten für die Ausreise des kachektischen[8] und durch Lebermetastasen gezeichneten ehemaligen Staatsratspräsidenten der DDR ins Exil nach Chile plädiert, weil seine Lebenserwartung unter einem halben Jahr lag und ein erfolgreicher Prozeß nicht möglich erschien. Zwei Jahre später wurden diese Gutachter der Falschaussage bezichtigt. Die Voraussage, Honnecker würde das Prozeßende nicht erleben, wird nicht falsch gewesen sein. Dieses Beispiel zeigt nur einmal mehr, daß die Prognose[9] durch Veränderung der Lebensumstände[10] entscheidend beeinflußt wird.

Wie wenig die “Wahrscheinlichkeit” oft mit dem konkreten Verlauf zu tun hat, zeigt die folgende Kasuistik einer Patientin mit metastasiertem Gebärmutterkrebs, einer lieben, einfachen Frau, von der ich viel gelernt habe.

Fallbeispiel: 77-j.Frau mit metast. Gebärmutterkrebs

Kasuistik                                                                                                                    6.10.99

Name

Pat.Nr.

Geschl.

Alter

Geb.Dat.

Diagnose / Status

 

11252

Weibl

76

1922

Uterus[11]-Carcinom. Beids. Pleuraerguß, Leber- und Peritonealcarcinose, Ascites.

Datum

Befund / Therapiemaßnahme

Nov. 1986

Mamma-Carcinom re., Ablatio

Sept.1987

Uteruscorpus-Carcinom. Abd. HE.

Seit 1989

Verdacht auf hepatozelluläres Carcinom, DD Metastase, DD.Gallenblasen-Ca., DD Echinokokkencyste[12]

29.3.98

Spitalaufnahme in Kantonsspital wegen massiven Ascites

3.4.98:

CT Abdomen/Becken: Ausgeprägter Ascites, Peritonealcarcinose, V.a.Leberfilialisierung, V.a. disseminierte osteolytische Metastasierung der Beckenschaufeln.

4/98-8/98

etwa wöchentliche Ascites-Punktionspflicht

6.5.98

Behandlungsbeginn in der Paracelsus-Klinik Lustmühle

2.6.98

Tumoranämie mit Hb von 8,3. Transfusion von drei Erykonzentraten

3.7.98

Postrenale Anurie wegen tumorbedingter Ureterstenose im Trigon.vesicae bei blumenkohlartiger Imprimierung der Harnblase ® Urologische Notfallaufnahme im Kantonsspital zwecks transpelvinem Nephrostoma[13]

7.bis 10.7.98

Diagnostische Hospitalisation ® wegen computertomographischer Sicherung erheblicher Tumorprogredienz und therapeutischer Aussichtslosigkeit wurde kein urologischer Eingriff mehr außer einem palliativen transurethralen Blasenkatheter vorgenommen, über den nach Ascitesdruckentlastung bei fortbestehender vesicaler Tumorimprimierung wieder Urin abfloß.

10.7.98

Rückverlegung der Patientin in dieser Verfassung in die B-klinik zum Sterben

10.7.98

Abschlußbericht Kantonsspital: „Bilateraler Pleuraerguss. V.a. disseminierte osteolyt. Skelettmetastasierung aller abdomino-pelvin und thorakal dargestellter Skelettabschnitte. Ausgedehnter Ascites. Intrahepatischer Tumor 5x5 cm links und zwei 1-cm-große Lebermetastasen. Peritonealcarcinose, carcinomatöse Infiltration des mesenterialen Fettgewebes. Tumorbedingte Harntransportstörung mit erweiteren Nierenbecken beidseits. Tumorbedingte Femoralisvenenthrombose rechts.“

13.7.98

Information aller Beteiligten und der Patientin zum „nihil facere“

Juli 98

rezidivierender paralytischer Ileus, der je mit Parasympathomimetica und Dilaudid-Atropin-stark-Injektionen zu kupieren war

Juli 98

völlige Bettlägerigkeit in der B-klinik, wiederholte ärztliche Besuche dort als Sterbevorbereitung

Juli 98

Beginn neuer Gebetsstrategie, durch die Patientin und Angehörige induziert

August 98

Morphinpflichtige klinische Zeichen von Rippen-und Sternummetastasen

18.8.98 bis 18.12.98

insgesamt 14 Sitzungen systemischer Krebsmehrschritt-Therapie (sKMT) mit Ganzkörperhyperthermie, iatrogener Hyperglykämie, Hyperoxigenämie und Pyrogenen[14]

ab Aug.98

in den ersten drei Sitzungen der Hyperthermie jeweils fast letaler Ausgang, dabei zweimal Notfallmaßnahmen und Abbruch der Fiebertherapie. Schon nach der ersten dieser drei Sitzungen traf die Patientin den Entschluß: „ ich will die Fiebertherapie weiter haben, auch wenn ich dabei sterbe“. Ab der vierten Sitzung weitere Fiebertherapien mit bestem Verlauf.

9/98 bis 2/99

Ascitespunktionen nur noch im 4-6-wöchigen Intervall erforderlich

Kontinuierliche Besserung des klinischen Befindens

10/ 98

Beginn der externen Ganzkörper-Orgon-Akkumulator-Therapie

11.9.98

Sonographie durch externen Internisten: „Nieren nicht mehr gestaut, weiterhin Pleuraergüsse und mässiger Ascites, Tumor der Leberpforte und die beiden anderen Lebermetastasen unverändert, weiterhin mesenteriale Tumormassen“ (keine Tumorprogredienz)

23.12.98

Entlassung der Patientin aus der B--Klinik mit noch liegendem Dauerkatheter

18.1.99

Entfernung des Dauerkatheters (nach vorausgegangenem Blasentraining durch die Spitex) und Beenden der Spitex-Betreuung.

Seit 23.12.98

lebt die Patientin wieder alleine im eigenen Haus, kocht und versorgt sich selbst, erhält täglich Besuche vom Sohn, ist wieder in ihr altes Milieu gut integriert, macht täglich Gänge nach draußen.

ab 23.12.98

Reduktion der Behandlungen in der Paracelsus-Klinik Lustmühle auf folgende Positionen (einmal pro Woche): intraabdominelle Neuraltherapie, Magnetfeldtherapie, Bioresonanztherapie, Imaginationen, Maltherapie.

ab Febr. 99

Kein Analgeticabedarf. Keine weitere Medikation außer: Nigersan, Aloe Vera, Larifikehl, Mucedokehl, mittelkettig ungesättigte Fettsäuren. Streng vegetarische Kost.

Mai 99

Wieder häufiger punktionspflichtiger Ascites und Beginn eines langsamen körperlichen Abbaus und Zunahme der palpat. Bauchmetastasen.

Mitte Sept. 99

Erneut stationäre Aufnahme in B-klinik, diesmal zum Sterben. Pat. weiß das. Es ist ein eindrucksvoller, bewußter Prozeß, voll klaren Annehmens, in innerem Frieden und mit einer tiefen inneren Heiterkeit. Voll des Charakters, wie es M. Ryzl in „Der Tod und was danach kommt“ ausgedrückt hat: „Glücklichsein bedeutet auch die heitere Hinnahme des Unausweichlichen“[15].

 

 

Ganzheitlich-onkologische Behandlungen

(überwiegend kombiniert, zum Teil phasenhaft versetzt):

 

 

 

 

Dies ist eine Leseprobe aus dem Buch „Krebskranke Menschen in ganzheitlich-medizinischer Behandlung - Eine persönlich geprägte Schrift über Behandlungsgrundsätze und –methoden,

die sich für mich in der Praxis der Therapie krebskranker Menschen bewährt haben“. Mai 2000 / 208 Seiten, Abbildungen und Grafiken. (Für Details zum Preis und Versand folgen Sie bitte dem obigen Link) 

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Weitere Informationen über ganzheitliche Medizin finden sie auch im ausführlichen Informationsprospekt, den Sie über die Adresse des Autors anfordern können. 

 



[1] Dickdarm

[2] siehe das Kapitel „Zweiphasenmodell“

[3] des schulmedizinischen Facharztes für Krebstherapie

[4] Beseitigen des Tumors

[5] Tumorverkleinerung beziehungsweise Wachstumsstillstand

[6] das Ansprechen auf die Behandlung

[7] Kreuz-Verlag ISBN 3-783111420

[8] abgemagerten

[9] voraussichtlicher Verlauf

[10] hier: Wegfall der Anklage und neuer Lebensbeginn in Chile

[11] Gebärmutter

[12] Bericht des Kantonalen Spitals, Radiologie v. 7.4.98

[13] eine künstliche Ableitung der Nieren nach außen in einen Beutel

[14] fiebererzeugendes Mittel

[15] Milan Ryzl: Der Tod und was danach kommt. Ariston-Verlag 1981, S. 68

[16] fiebererzeugendes Mittel

 

 


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