Öffentlicher Brief, nachdem eine Antwort auf meinen Brief v. 12.11.99 ausgeblieben ist, 1.1.2001
An Herrn Dr. Bernhard Eicher
Swisscom AG / Corporate Information & Technology
Postfach
3050 Bern
12.11.99
Betrifft: Natel-Antennen-Anlage neben der Paracelsus Klinik Lustmühle
Sehr geehrter Herr Dr. Eicher,
Für den interessanten Austausch von Gedanken und Argumenten zum Für und Wider einer Mobilfunkantenne neben der Paracelsus Klinik Lustmühle, zu dem Sie sich uns am 26.10.99 zur Verfügung stellten, danken wir Ihnen.
Epikritisch fasse ich die wesentlichen Gegenargumente zu Ihren Ausführungen nochmals zusammen, wie ich sie auch schon in der Diskussion Ihres Referates vortrug. Sie widerlegen (wenn man ihnen folgt) Ihre das Problem bagatellisierenden Darlegungen, die sich im wesentlichen auf der Kernaussage zusammenfassen lassen: "Die Feldstärke der Emissionen der Antennenanlage liegt weit unter den amtlichen Richtwerten. Die gesendeten zusätzlichen Impulse gehen in der ohnehin existenten Gesamtbelastung als irrelevant unter".
Meine Ausführungen bedürfen gewisser wissenschaftstheoretischer Erörterungen. Ich informiere dabei einen internen Verteilerkreis durchschriftlich, der sich bisherig nicht so umfangreich mit der Materie befasst hat, wie dies bei Ihnen und mir der Fall ist. Daher gebe ich zu manchen speziellen Aspekten über Fußnoten Detailerklärungen, die an meine Sekundäradressaten gerichtet sind. Ich denke, dies stört die flüssige Lesart nicht zu sehr, und ich bitte dafür um Verständnis.
Sie haben uns angeboten, eine Studie zur unterschiedlichen Wirkung von C- und von D- Betrieb der Antenne sowie zu den biologischen Effekten dieser Anlage in verschiedenen Funktionsbereichen unserer Klinik für Biologische Medizin durchzuführen. Dabei sollten ein oder mehrere Probanden mit unterschiedlichen Untersuchungsverfahren mögliche Wirkungen verschiedener On-Off-Expositionen unterschiedlicher Feldarten im Kurzzeitversuch registrieren und beurteilen.
Dabei wissen Sie wenigstens so gut wie wir, daß derzeit keine geeigneten Untersuchungsinstrumentarien zur Verfügung stehen, um feinste Befindensschwankungen und Wahrnehmungs-Spezifika von Individuen meßtechnisch zu erfassen.
Alle subjektiven Untersuchungsverfahren, und dazu gehört Energetisches Testen jedweder Schattierung, haben im medizinischen Alltag gerade wegen ihrer Subjektivität große Vorteile. Für wissenschaftliche Zwecke eignen sie sich aber aus dem gleichen Grunde eben nicht. Ihr Funktionieren hängt von der Ausgeglichenheit ab, und auch davon, daß Untersucher wie Proband im Augenblick der Untersuchung weitgehend interesselos gegenüber dem Ergebnis sind. Sobald diese Voraussetzung nicht mehr erfüllt ist, tritt "Switching" ein, d.h. es kommt zu paradoxen und chaotischen Ergebnissen. Daher gilt der Switching-Ausgleich als Voraussetzung jeden verwertbaren Tests. Diese von einer vertrauensvollen und im Prinzip liebenden Grundhaltung aller am Test Beteiligten abhängige Kondition ist bei einer wissenschaftlichen Studie nicht erfüllt, bei der ein Teil der Agenten von einem bestimmten Ergebnis (Nämlich davon, daß Wirkungen existieren) überzeugt ist, und ein anderer Teil vom Gegenteil.
Krankheit und Symptome entstehen nie monokausal, das wissen wir. Auch deshalb sind On-Off-Analysen ungeeignet, die kofaktorielle Rolle einer Noxe zu beurteilen. Daß athermische elektromagnetische Einflüsse in der Regel direkte, monokausal (und dies ist die "Conditio sine qua" non für Reproduzierbarkeit!) zuordnungsfähige Sofortwirkungen hätten, behauptet niemand ernsthaft. Gerade die Unspezifität (daß die Symptome auch bei anderen Gesundheitsstörungen auftreten (Die Spuren der elektromagnetischen Wellen sind eben nicht "gelb gefärbt", während es diese Gelbfärbung bei keinem anderem Einfluß gäbe) und die erst bei gleichzeitiger Exposition des Betroffenen gegenüber anderen Noxen greifenden kofaktoriellen Summationen, Potenzierungseffekte und interferierenden Synergismen (Erst mit gleichzeitigem Einwirken verschiedener schädigender Reize auf den Organismus entstehen in der Regel gesundheitliche Schäden: die Wirkung addiert sich, oft potenziert sie sich, und zusammen mit anderen Noxen entstehen ganz eigene Schad-Muster, deren Charakteristik erst aus dem Zusammenwirken der einzelnen Komponenten, wenn überhaupt, erklärbar werden) sind es ja, die den chamäleonartigen Wühlmauscharakter der schwachen (athermischen) Hochfrequenzenergie ausmachen.
Unabhängig von der im Anschluß ausgeführten Problematisierung Ihrer Forderung nach einer doppelblinden und reproduzierbaren Studienkonzeption, von der Sie eine "wissenschafliche" (Gemeint ist eine naturwissenschaftliche Aussage über messbare und berechenbare Daten) Aussagefähigkeit abhängig machen, wäre zunächst zu klären, welches Aufzeichnungsverfahren der Modifikation biologischer Abläufe genutzt werden sollte. Die von Ihnen vorgeschlagenen (Energetische Testverfahren) sind ebenso erklärtermaßen subjektive Meßverfahren, wie es das "Spüren" Betroffener ist (Subjektives kann man eben nicht objektiv messen!).
Daher sehen wir die Aufgabe einer Forschungsabteilung wie der Ihrigen darin, geeignete Untersuchungsinstrumentarien zu entwickeln. Die besondere Gehirnforschung des Dr. Haffelder in Stuttgart könnte vielleicht die Kritierien erfüllen, die hier zu fordern sind. Unsere Möglichkeiten als therapeutische Institution bieten leider keinen Raum, dies näher zu evaluieren. Dr. Haffelder ist Physiker und Psychologe und betreibt in Stuttgart ein Institut für entwicklungs- und verhaltensgestörte Kinder und Lernstörungen, wo er intensiv anwendungsorientierte Gehirnforschung durchführt. Die traditionell-konventionelle Bewertung der elektroencephalographischen Beta- und Alphawellen-Banden als ausschlaggebende Frequenzbereiche und die Interpretation des Auftauchens von Delta-und Theta-Wellen im Spontan-EEG als tendenziell pathologisch wird als nicht mehr gültig betrachtet. Der Wert des konventionellen EEG besteht weiter in der Topographie-Lokalisation intracerebraler und elektrischer Herde. Für die Qualität der elektrischen Gehirnaktivität indes rangiert das herkömmliche EEG weit hinter der von Haffelder neu entwickelten Delta-und Theta-Analyse. Daher entwickelte Dr. Haffelder eine neue EEG-Analyse-Technologie einschl. neuartiger Elektroden und Ableit-Orte: Gemessen werden nicht mehr primär die Signale der Großhirnrinde, sondern jene des Limbischen Systems. Die computerielle EEG-Spectralanalyse erfolgt als Fourier-Transformation, bei der die Delta- und Theta-Impulse in den Vordergrund der Auswertung und Interpretation rücken. Überhaupt spielt der Deltabereich (Frequenzen 0-4) eine tragende Rolle in dieser neuen Bewertung der elektrischen Gehirnaktivität. Seine Lokalisations-Priorität ist das Corpus callosum, was schon zeigt, wie wichtig dieser Bereich für die Rechts-Links-Hemisphärenkoordination ist.
Gehirnaktivitäten wie der "6. Sinn" und alle wichtigen definierbaren Gefühlszustände erzeugen spezifische, reproduzierbare, computeriell darstellbare Deltawellenmuster. Die Auswertung mit einer hohen Trefferquote, die Gefühle und Gedankenthemen von Probanden zu benennen, wenn dem Gehirnforscher lediglich die Delta-Kurven vorgelegt wurden. Die gleiche Reproduzierbarkeit und Spezifität betrifft Thetawellenmuster (Frequenzbereiche 4-6). Der Theta-Bereich bezieht sich auf Tagträume, Inspiration und Imagination. Die Fähigkeit, Tagträume zu entwickeln, scheint ein signifikanter Faktor für Stress-Bewältigung und mentale Leistungsfähigkeit und das psychosomatische Kompensationsniveau zu sein.
Haffelder gelang es (im Doppelblindversuch mittels zufälliger Präparate-Auswahl und Applikation durch einen Roboter erhärtet), den reproduzierbare den Wirkungsnachweis für homöopathische Medikamente und "informierte" Tropfen zu erbringen. Diese non-substantiellen Präparate erzeugten spezifische und reprozierbare Deltamuster-Modifikationen bei verschiedenen Probanden. Allein schon diese wenigen Aspekte aus der Haffelder’schen Gehirnforschung demonstrieren die Relevanz eines neuen Ansatzes in der Überprüfung von biologischen Effekten aller möglichen Arten von low-dose-Reizen auf das Biologische System, sowohl toxischen wie therapeutischen Impulsen. Sie eröffnen aber auch den Blick auf neue therapeutische Möglichkeiten in der Bioresonanztherapie (im erweiterten Sinne): Durch digitale Speicherung der reproduzierbaren Delta-und Theta-Modifikationsmuster und therapeutische Applikation dieser Engramme lassen sich Empfindens- und Verhaltens-Zustände in den genannten Indikationen mehr oder weniger gezielt modifizieren: Gefühlszustände, Inspiration, Imagination, Tagtraumaktivität.
Aber auch aus anderen Gründen sehen wir die Voraussetzungen für unsere Teilnahme nicht als gegeben an:
Die Kondition doppelter Blindheit ist für uns aus mehreren Gründen nicht annehmbar. Realität blind erlebt ist eine andere als jene, die man mit wachen Sinnen perzepiert. Wenn "Effekte" bei einer blind durchgeführten Studie gefunden oder nicht gefunden würden, hängt dies elementar mit der Studiensituation zusammen. Sie auf die anders strukturierte Vulnerabilität (Verletzlichkeit / Bereitschaft, irritiert zu werden) Betroffener im Alltag zu übertragen, ist solange falsch, wie dort andere Dispositions-Parameter vorliegen (Schwache äußere Reize erzeugen biologische Effekte generell eher oder nur, wenn reaktions-katalytische Umgebungsbedingungen herrschen. Der Rückschluß von Perzeptionen innerhalb eines bestimmten "Settings" auf andere Dispositionen ist daher unzulässig. Wo er trotzdem gezogen wird, bleiben elementare wissenschaftliche Regeln unerfüllt. Es handelt sich um den alten Vergleich von "Äpfeln mit Birnen". Verdeutlichen kann man dies zum Beispiel mit kleinsten erotisch-sinnlichen Stimuli, für die ein Individuum in einer dafür empfänglichen Situation "offen" ist, die bei der gleichen Person aber in einer engagierten und zielorientierten Arbeitssituation (einer anderen Disposition) frustran bleiben).
Die Reaktionsfenster eines Biologischen Systems sind von den jeweiligen Umgebungsbedingungen abhängig (je nachdem ob sich das System in einem Studienverlauf befindet, oder in der Therapie, oder in einem Vegatest, oder im Alltag, ob zuvor ein Zahn gezogen wurde oder nicht, ob das Wetter gut ist oder schlecht, ob ... zahllose Beispiele für differente und nicht ausfiltrierbare Hintergrundbedingungen könnten folgen). Diese den Testablauf und sein Ergebnis signifikant determinierenden Dispositionen wegzuretouchieren, ist tatsächlich blind. Es hat aber mit Realität nichts zu tun, und ebenso wenig ist dies wissenschaftlich, unabhängig davon, ob ganze Wissenschaftlergenerationen dies glauben oder nicht (und man weiß ja: vielfach hat Angewandte Wissenschaft tatsächlich mehr mit Glauben zu tun als mit Forschung).
Die Subjektivität individueller Wahrnehmung ist einer extrasubjektiven Registrierung umso schwerer zugänglich, je inkonstanter die Kohärenz (Kohärenz ist die phasensynchrone Bündelung von Impulsen, wie sie u.a. bei der Lasertechnik und in der Funktechnologie genutzt wird, um eine höhere Signal-Effektivität zu erreichen. Aber auch – und insbesondere – das Biologische System synchronisiert seine Rezeptoren und Neuronen kohärent und erzielt damit überdimensional makrotope Effekte auf minimalste elektromagnetische Signale, deren Reizstärken nicht nur ohnehin im athermischen Spektrum, sondern auch weit unter der "Rauschgrenze" apparativ-technischer Registrierbarkeit liegen. Häufig wird das Wesen der Kohärenz im Bild des "Soldaten-Gleichschritts auf der Brücke" veranschaulicht, bei dem bloßes Gehen die Brücke zum Einsturz bringt, weil es kohärent (gebündelt) erfolgt) der zu untersuchenden Phänomene ist. Fraglos ist diese umso weniger konstant, je vielfältiger die äußeren Einflüsse sind. Dies bedeutet, daß die Falsifikation (Der Negativ-Beweis, d.h. daß die Annahme verneint werden muß) oder Verifikation (Die Bestätigung) von low-dose-Effekten im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie keinen analogen Rückschluß auf die Reaktion des gleichen Biologischen Systems außerhalb der Studiendurchführung erlaubt. Das Setting einer Studiensituation weist nämlich entscheidende Unterschiede zum Alltag auf, und es muß zunächst als ebenso wahrscheinlich angenommen werden, daß die Effekte im Alltag zu jenen in einer Studiensituation völlig divergent sind. Bei genauerer Beschäftigung mit den Konditionen für die Reaktivität des Biologischen Systems zeigt sich darüberhinaus aber, daß im Alltag von einer viel höheren Beeinflussbarkeit eines betroffenen Individuums ausgegangen werden muß:
Die Kanalisierung der Aufmerksamkeit des Probanden auf die Fragestellung der Studie und der damit erhöhte Sympathikotonus (Nervenimpulsaktivität im stressbezogenen Ast des unwillkürlichen Nervensystems) vermindert die Vulnerabilität (die "Verletzlichkeit", die Eigenschaft, irritiert werden zu können) des Prüflings. Mit meinem Modell (Braun-von Gladiß, Das Biologische System Mensch, 1995, Eigenverlag, Seite 100-102) der "Interferierenden spezifischen Labilitätskurven des Biologischen Systems" (Das Beispiel der auf einer Sinusbahn laufenden Kugel, die den Lebensprozeß symbolisiert, verdeutlicht die kritische Labilität biologischer Systeme. In der Talsohle braucht es große Kräfte, um die Kugel zu bewegen. Hier ist das System sehr träge und von außen nur schwer zu irritieren. Am oberen Wendepunkt der Kurve hingegen genügt eine unendlich kleine Reizstärke, um zu entscheiden, zu welcher Seite die Kugel rollt. Hier befindet sich das System im Zustand höchster Sensibilität und Reaktionsbereitschaft. In solchen "Phasenübergängen" ist das System in höchstem Maße zu beeinflussen. An diesen kritischen Kipp-Punkten sucht sich ein überlastetes System immer im chaotischen Übergang ein neues Gleichgewicht. Es handelt sich um "Phasenübergänge", an denen das System in höchstem Maße irritierbar ist. Hier kann ein Reiz von mathematisch nach null gehender Reizstärke größte Reaktionen im System auslösen. Die Empfänglichkeit und Irritabilität gegenüber äußeren Reizen ändert sich zyklisch. Dabei laufen chronologische Phasen aller Größenordnungen gleichzeitig und miteinander synchronisiert ab: Sekundenbruchteile, Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Siebenjahresperioden. Jede dieser chronobiologischen Phasen oszilliert zwischen den Extremen höchster kritischer Labilität und maximaler Stabilität. Tatsächlich sind im biologischen System unendlich viele ineinander verwobene Sinuskurven gleichzeitig anzunehmen, deren Phasenlänge und Amplitudenauslenkung sich unberechenbar unterscheiden. Es ist immer die Wechselwirkung zwischen dem äußeren Reiz und den Funktionsgrößen, welche die aktuelle System-Position bestimmen und von der es abhängt, ob ein externer Stimulus einen biologischen Effekt erzeugt oder nicht) habe ich demonstiert, daß die Irritabilität des Biologischen Systems inkonstant ist und von einer großen Fülle indeterminierbarer Kofaktoren abhängt.
Diese Empfänglichkeit des Biologischen Systems gegenüber äußeren Impulsen ist allenfalls als Summationsphänomen in Annäherung zu beschreiben, niemals aber reproduzierbar. Die jeweilige momentane Dispositions-Kombination bedingt es aber, ob ein Effekt zur Wirkung kommt oder nicht. Sicher ist nur, daß die mit einer Prüfsituation verbundenen stressbezogenen Veränderungen der Ausgangbedingungen der Reaktionslage und die damit verbundene Fokussierung auf die Fragestellung der Studie eine viel geringere Vulnerabilität mit sich bringt, als man sie im Alltag erwarten muß.
Wie wollen wir denn Wahrnehmungen lebender Systeme mit dem apparativen und gedanklichen Rüstzeug technischer Untersuchungsverfahren registrieren, reproduzierbar standardisieren und bewerten, wenn schon theoretische Physiker (So hat es der bereits erwähnte Erwin Schrödinger bereits 1945 in seiner Broschüre "Was ist Leben" geschrieben) "Leben als das Aufsaugen von Ordnungen" definieren und damit unumwunden zugeben, daß die Physik "Leben" zumindest solange nicht zu begreifen vermag, solange der Begriff "Ordnung" nicht standardisierbar ist?
Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Karl Braun-von Gladiß
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