28.11.2000
Dr. med. Karl Braun-v.Gladiß

Kommentierendes Protokoll zu meinen Ausführungen bei der Besprechung 
am 23.11.2000 in der Paracelsus Klinik Lustmühle

Wissenschaftliche Medizin versus Erfahrungsheilkunde ?

Ausgangssituation:
Ein engagiertes Mitglied des Lehrkörpers einer renommierten Universität sucht Kontakt zu praktisch tätigen ganzheitsmedizinischen Kollegen, weil an die Schaffung eines neuen Lehrstuhls für Komplementärmedizin im Rahmen vorklinischer Ausbildung der Medizinstudenten gedacht ist.

 

Sehr geehrter Herr Kollege!

Danke für das Gespräch über die geplante Errichtung eines Lehrstuhls für Komplementärmedizin im Rahmen der vorklinischen Ausbildung der Medizinstudenten an Ihrer Universität. Ich habe dabei ja die Vorstellung, der sogenannten Komplementärmedizin lägen keine wissenschaftlichen Fundamente zugrunde, vielmehr handele es sich um rational nicht begründbare Empirie, nicht unwidersprochen stehen lassen können.

Ich wünsche Ihrem Vorhaben viel Erfolg. Über eine Rückmeldung zur weiteren Entwicklung würde ich mich freuen.

Lassen Sie mich einen weiteren, im Gespräch nicht thematisierten, Punkt kritisch anmerken: Der Begriff "Komplementär"medizin als Kennzeichnung "Biologischer Medizin" / "Naturheilkunde" / "Ganzheitliche Medizin" mißfällt uns sehr. Er ist in sich abwertend und impliziert eine Vorrangstellung der Nicht-Komplementärmedizin gegenüber der komplementären, die als Adjuvans zur Komplettierung der "eigentlichen" Medizin gesehen wird. Wir betrachten es demgegenüber umgekehrt.

Die Bedeutung der Schulmedizin für die Behandlung akuter Erkrankungen ist unbestritten. Solange sie den größten Teil chronischer Erkrankungen ätiologisch aber als "idiopathisch" oder "essentiell" bezeichnet und therapeutisch wenig mehr als eine Suppression der Symptomatik anbietet, kann sie den Anspruch der "eigentlichen" Medizin nicht länger aufrechterhalten. Schleichende Infektreaktionen gegenüber lymphoneurotropen Viren und Bakterien(Slow-Virus- und slow-bacterial-Diseases), toxikogene und neuro-musculo-fasciale Dystonien, polyvalente und ätiologisch nicht faßbare, oft umweltbedingte, Schädigungen der Komponenten des Psycho-Neuro-Immunologischen Systems, Milieudysbalancen und die Zunahme von Immundefizienzen und Malignomen sind nur wenig Beispiele für neue pathologische Entitäten, die uns Ärzten im Kleid von Krankheiten wie CFS (chronic fatigue Syndrom), MCD (multiple chemical disorder), Allergien, polyvalenten Hypersenbilitäten, neurovegetativen Dystonien u.v.a.m. begegnen.

Es handelt sich um Komplexerscheinungen des biologischen Systems, die pathophysiologisch nur über wechselwirkende Interaktionen und Synergismen erklärt werden können. Dementsprechend erfordert ihre Behandlung ein multifaktorielles (und sui generis eben nicht symptomorientertes) Vorgehen. Eben die Suppression der Symptomatik mit Antimitteln ist aber "Stand der Wissenschaft" der offiziellen Medizin. Dieser offenbart deren therapeutische Hilflosigkeit gegenüber moltimorbiden vernetzt-wechselwirkenden chronischen Problemen ebenso, wie er seine Wurzeln in einer insuffizienten Pathophysiologie nicht länger verbergen kann. Solange die therapeutische Hilflosigkeit der Schulmedizin gegenüber dem größeren Teil der Gesundheitsprobleme in der Bevölkerung fortbesteht und sich nicht zuletzt eben deshalb eine effektivere Alternative etabliert (biologische Medizin), muß ernsthaft gefragt werden, welche Richtung "komplementär" zur "eigentlichen" Medizin steht.

Soweit ist die Vorbemerkung zur Nomenklatur abzuschließen, und ich kann Ihnen meine im Rahmen unseres Arbeitsgesprächs geäußerten Ausführungen protokollieren:

Warum die kontroverse Kennzeichnung der konventionellen Medizin (Schulmedizin) als "wissenschaftlich" einerseits und der empirischen Medizin (Komplementärmedizin) als nicht-begründbar (irrational) andererseits falsch ist, sei im folgenden wissenschaftstheoretisch dargestellt:

Lebewesen sind hoch organisierte Strukturen jenseits des thermodynamischen Gleichgewichtes. Sie verfügen über einen hohen Grad an Selbstregulation und vermindern bei der Konfrontation mit externen Reizen das Niveau ihrer Entropie. Mathematisch gesehen ist das Spektrum der Zustände in biologischen Systemen bestimmt durch unendlich viele Eigenwerte. Sie werden als nach außen offene deterministisch-chaotische Systeme betrachtet, deren Reaktionen Interferenzprodukte zwischen immanenten Determinanten und externen Impulsen sind, die somit ohne kybernetisch orientierte Analyse der endogenen und exogenen Faktoren weder pathophysiologisch adäquat verstanden noch zielgerichtet therapiert werden können.

Wissenschaftstheoretisch ergibt sich zwingend, daß eine Erweiterung bisheriger medizinischer Pathophysiologie überfällig ist. Die Begründung dafür gebe ich in der Erörterung iterativer Prozesse in Punkt 12 und dem Modell der kritischen Labilität biologischer Systeme in Punkt 14 der unten aufgelisteten "Bestandteile einer neuen pathophysiologischen Konzeption" der Medizin.

Aus dieser grundsätzlichen Betrachtung ergeben sich wissenschaftstheoretisch zwei unterschiedliche pathophysiologische Orientierungen:

Pathophysiologische Paradigmata in Schulmedizin Erfahrungsheilkunde

  • Morphologisches Paradigma: Systemalterationen gelten erst dann als existent, wenn sie sich in chemisch, also morphologisch manifestieren und mit derzeit gültigen Meßverfahren identifizierbar sind
  • Prozeßorientiertes Paradigma: Systemreaktionen sind immer auch, oft sogar nur, physikalische Veränderungen. Auch nicht-morphologische, sog. funktionelle Alterationen sind relevant
  • lineare Beurteilung von Systemabläufen
  • nicht-lineare Beurteilung von Systemabläufen
  • Ursache-Wirkungs-Prinzip: Modifikationen des Systems sind auf wenige definierbare Einwirkungen zurückzuführen
  • Prinzip wechselwirkender Synergismen: Verschiedene Reizeinwirkungen bewirken gemeinsam ganz neue Reaktionen, die von keinem Reiz alleine erzeugt worden wären
  • Monodisziplinäre Orientierung an traditioneller naturwissenschaftlicher Medizin, in welcher das wissenschaftliche Denken durch chemisch und anatomisch definierbare Parameter bestimmt wird
  • Interdisziplinäre Orientierung: Integration von im Fluß befindlichen neuen Erkenntnissen der theoretischen Physik und Mathematik (Fraktaltheorie, Unschärfe von Systemen, iterative Systemprozesse, Algorhythmen, Rhythmusvariabilitäten, biokybernetische Modelle)
  • Statistische Maxime des Kollektivs und der Reproduzierbarkeit
  • Relativierung statistischer Daten durch individuelle Besonderheiten; Betonung des subjektiven Faktors
  • Wissenschaftstheoretische paradigmatische Reflexionen fehlen im wissenschaftstheoretischen Verständnis
  • Wissenschaftstheoretische paradigmatische Reflexionen sind integrale Elemente im wissenschaftstheoretischen Verständnis
  • Axiomatische Orientierung (Axiome im Range nicht-hinterfragbaren "Standes der Wissenschaft" mit erheblicher Analogie zu Glaubenssätzen)
  • Flexible Definition des jeweiligen Erkenntnisstandes als sui generis provisorisch

Bestandteil einer "komplementärmedizinischen" Pathophysiologie müssen unter anderem folgende Punkte sein:

  1. Vegetatives Grundsystem: Die von dem Physiologen Pischinger begründete und in unseren Tagen von dem Anatomen Heine weiterentwickelte Lehre vom vegetativen Grundsystem beschreibt das grundlegendste Prinzip in der Physiologie, und sie gehört zum "Kleinen Einmaleins" im Verständnis ganzheitlicher Vorgänge im Körper. Der gleiche Sachverhalt war schon Bestandteil der alten Säftelehre und bildete über Jahrtausende die Grundlage der Medizin, bis man mit der Virchowsche Zellularpathologie von vernetztem Denken und der Vorstellung des "Fließens von Säften und Kräften" abrückte und einen der größten Irrtümer in der Medizin zementierte. Dieser muß heute für die "Fortschritte" der Transplantationsmedizin und der Gentechnik aufrechterhalten werden, denn dort ist die Austauschbarkeit von Körperteilen von besonderer Wichtigkeit, und deshalb hält die Medizin auch entgegen jeder Logik und die fundamentalsten wissenschaftlichen Ansprüche ignorierend an der Ablehnung der von Pischinger theoretisch begründeten Pathophysiologie fest. Keine Zelle steht mit einer anderen in direkter Verbindung. Der Interzellularraum ist ein ubiquitärers wässriges Medium, in welchem sich Stoffaustausch und Stofftransport, Informationsverarbeitung und Reizleitung in einer Komplexität und Geschwindigkeit vollziehen, die erst mit Hilfe einer neuen Synthese zwischen theoretischer Physik und Medizin und den dazu gehörenden Phänomenen der Supraleitung, Kohärenz und Resonanz in biologischen Systemen verstanden werden können. Dieses wässrige Medium ist der Schauplatz der Stoffwechselvorgänge zwischen den Zellen. Hier ist der Sitz der unmittelbaren Puffersysteme der Säure-Basen-Regulation. Es ist der Raum, über den Nährstoffe zur Zelle gelangen und in den hinein Metabolite aus der Zelle eliminiert werden, und er stellt die Transitstrecke für jeden Stoff- und Informationsaustausch für die Vorgänge innerhalb der Zellen dar. Enzyme mit ihrer unbeschreiblich komplexen funktionellen Vernetzung werden hier aktiviert. Pischinger, Selye, Heine und andere haben dargestellt, daß die in diesem Raum ablaufenden Reaktionen immer holistischen Charakter haben, das heißt, Reiz-Reaktionen sind im Körper nicht lokal begrenzt. Reflexmechanismen im Stoffwechsel, Vorgänge in Störfeldern und somototope Querbeziehungen kann man nur auf der Grundlage des vegetativen Grundsystems verstehen. Das RHS (Reticulo-Histiozytäres System) ist mit seinen verzweigten Membranstrukturen ein spezifischer Resonanzboden dieses Systems. Informationsaustausch und Reizleitung erfolgen im vegetativen Grundsystem schlagartig. Dies stellt auch die Grundlage für das Sekundenphänomen dar. Die Zähne verdanken ihre enge Beziehung zu anderen Teilen des Körpers der Tatsache, daß der Peridontalspalt mit Lymphflüssigkeit gefüllt ist. Die Lymphe ist in der offiziellen Medizin genauso vernachlässigt worden wie das Mesenchym generell. Die Bedeutung des Bindegewebssystems hat man auf seine bloße Stützfunktion reduziert. Dabei sind die Membranstrukturen der serösen Häute und die fascialen Strukturen des Bindegewebes als Verdichtungen des mesenchymalen Raumes zu sehen, an denen außerordenlich bedeutsame und den ganzen Organismus steuernde reflektorische Steuerungsvorgänge stattfinden. Man muß das vegetative Grundsystem als "unspezifisches Immunsystem" betrachten, dessen normale Funktionen Voraussetzung zum adäquaten Einsatz der spezifischen Komponenten des humoralen und zellulären Abwehrsystems sind.
     
  2. Homotoxinlehre: In den Organismus eingedrunge Noxen werden normalerweise über die Ausscheidungsorgane Harnwege und Darm eliminiert. Haut und Schleimhäute sind sekundäre Wege der Detoxifikation. Die ersten dort auftauchenden Symptome entsprechen in der Regel akuten enzündlichen Krankheitsbildern. Diese Ausscheidung kann durch blockierte oder mangelnde Enzyme, durch Vorschäden des Organismus, durch reaktions- und entgiftungsblockierende medikamentöse "Antimittel"-Therapie, durch Impfungen oder durch die spezifische Besonderheit der Toxine (Schwermetalle und fettlösliche Toxine zum Beispiel) gestört sein. Dieses zieht eine Imprägnation der Toxine in mesenchymale Strukturen des vegetativen Grundsystems, in Lymphknoten, Haut, Haare, Gelenkräume und Muskelfascien nach sich, in denen sich dann je nach Lokalisation scheinbar unterschiedliche Krankheitsbilder entwickeln,. In dieser Phase steht die chronisch entzündliche Komponente und noch später die Ablagerung in Gewebeteilen im Vordergrund. In der Depositionsphase herrscht meist klinisch relative Ruhe. Jetzt stehen extrazelluläre Knotenbildungen von Körperzonen im Vordergrund im Vordergrund, die von der allgemeinen Blut- und Energiezirkulation wie abgekapselt erscheinen: Atherome, Fibrome, Lymphknotenindurationen, Calcifikationen, Cysten und vieles andere mehr. Im günstigen Falle verharrt der Organismus ad finitum in dieser Phase noch gutartiger degenerativer Deposition. Versagt auch dieser Versuch des Organismus, die Noxen aus überlebenswichtigen Strukturen zu entfernen, erfolgt der von Reckeweg als "Biologischer Schnitt" bezeichnete Übergang von der Entzündung in die Degeneration: über die jetzt intrazelluläre Imprägnation der Noxen geht die Entwicklung weiter zur eigentlichen Degeneration von Gewebestrukturen (-osen) und schließlich in die Neoplasiephase, in der sich die autonome Abkapselung des Krankheitsgeschehens vom übrigen Organismus, die in der fibrös-zystischen Depot-Phase regional begrenzt und gutartig geblieben war, jetzt zur Vollblüte aktiver Autonomie auswächst und die Grenzen des Depots rücksichtslos überschreitet. Reckeweg bezeichnete die mit den Stadien der Exkretion, Reaktion, Deposition, Imprägnation, Degeneration und der Neoplasie charakterisierte Karriere als "positive Vikariation" und entwickelte die "Homotoxinlehre" zur Behandlungsreife, um den pathologischen Prozeß mittels Reaktivierung früherer Ausscheidungsvorgänge rückgängig zu machen, was man dementsprechend als "negative Vikariation" bezeichnet. Dies bedeutet, daß zwingend Heilvorgänge stattfinden müssen, die nun nicht erneut regulationsblockierend-medikamentös unterdrückt werden dürfen, und die vom Patienten auch in den akuten Phasen durchgestanden werden müssen, wobei humoraltherapeutische Ausleitbehandlungen den Entgifungsprozeß beschleunigen. Zeitrafferartig werden dabei oft früher blockiert gebliebene Kranheitsbilder wiederholt, und ein erster Therapieerfolg zeigt sich bei dem in der therapeutschen negativen Vikariation angesteuerten rückläufigen Durchbrechen des "Biologischen Schnitts" oft durch ein akutes Fieber mit Haut- und Schleimhaut-Reaktionen an.
     
  3. Reflexzonen und Somatotopien: Verschiedene Körperteile sind reflektorisch wechselwirkend verknüpft. Wie eine Landkarte das Abbild des Großen darstellt, so bergen Körperteile die Topographie des ganzen Körpers in sich, und innere Organe können so über ihre landkartenartige Projektion an der Oberfläche sowohl diagnostisch erfaßt wie auch therapeutisch angesprochen werden.
     
  4. Störfeld-Phänomen: Da jeder Teil des Körpers mit der Umgebung sowie über Reflexbahnen und Meridiane mit entfernten Körperzonen kommunikativ-wechselwirkend verschaltet ist, wirken aus pathologischen Körperzonen nicht-physiologische nervale Aktionspotentiale, biochemische und toxische Emissionen auf nähere und ferne Zonen ein. Im wesentlichen handelt es sich dabei um chronisch-entzündliche / devitalisierte / toxisch belastete / narbig bindegewebig veränderte Areale. Besonders hohe Relevanz besitzen dentale Störfelder, Narben, ligamentäre und fasciale Strukturen. Die Chronizität pathologischer Prozesse und ihre Therapieresistenz beruht häufig auf derartigen Störfeldern.
     
  5. Qualität und Ordnung: Lebende Systeme speichern und geben Photonen dann optimal ab, wenn das Maß der Entropie niedrig ist (hoher Ordnungszustand). Nach Schrödinger "saugt ... der Organismus fortwährend Ordnungen aus seiner Umwelt auf" und hält sich damit auf einer hohen Ordnungsstufe. Das Prinzip Qualität hat Priorität vor Quantität. Qualitative Veränderungen bedingen die quantitativen Substrate und Bestandteile des Körpers.
     
  6. Reiz-Reaktions-Interaktionen,: Ein Organismus mit intakten Regulationssystemen reagiert auf toxische wie therapeutische Einwirkungen innerhalb physiologischer Reizstärken mit Anpassungs-Vorgängen, die sich in der Spanne ergotroper und vagotroper Polarität zyklisch vollziehen. Nach festgelegten Zeiträumen antwortet der Körper mit Heilvorgängen, wobei sich nach innen gerichtete Kräfte mit zentofugalen abwechseln. Energiesammlung und Energieabgabe wechseln sich ab, Parasympathikotonie und sympathikotone Reaktionslage, Stoffwechsel- und Kreislauf-Funktionen wandeln sich von vagotropen Mustern in ergotrope. Auch in psychischer Hinsicht wechseln sich entsprechend defensive Reaktionen mit aggressiven ab. Ziel der Therapie ist die Regeneration des Kompensationsvermögens und der dem Organismus zur Verfügung stehenden Energien. In lebenden Systemen hängt dieses vom Funktionieren unterschiedlicher und miteinander vernetzter Regelkreise ab. Es kommt daher bei der Regeneration der "natürlichen Selbstheilungskräfte" therapeutisch oft nicht auf die andauernde Bekämpfung einer auslösenden Noxe an, sondern darauf, dem System kleine Steuerungs-Stimuli zu verabreichen, dann seine vorher meist nicht berechenbare Reaktion zu beobachten, einen so erhaltenen neuen Status quo zu registrieren, und daraus den weiteren therapeutischen Schritt abzuleiten.
     
  7. Krankheits- und Gesundheitsbegriff: Krankheit ist der Ausdruck gestörter Regulationsfähigkeit des biologischen Systems. Sie ist nicht eine zufällige und häufig als idiopathisch bezeichnete Abweichung von einer starren anatomischen, biochemischen und psychodynamischen Norm, sondern eine Störung der Regulation eines komplexen Systems, deren Symptomatik relativ beliebig und variationsreich ist. Gesundheit wird nicht durch die Abwesenheit schädlicher Reize aufrecht erhalten, sondern durch die Fähigkeit des Organismus, die Einflüsse von Noxen ausgleichen zu können.
     
  8. Sozio-Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologisches System: Zwischen den hormonellen Vorgängen, den immunologischen Antworten, dem vegetativen Nervensystem, dem Gehirn, den seelischen Qualitäten und der Stellung im sozialen Gefüge bestehen funktionelle Querbeziehungen. "Natürliche Selbstheilungskräfte" beruhen auf wechselwirkenden Rückkoppelungs-Kaskaden, die die dem System als gelernte und vererbte Muster innewohnen und die als variierende Ausgleichsbewegungen der Komponenten eines Mobiles verstanden werden können.
     
  9. Toxikologische Gesetzmäßigkeiten: Die Vulnerabilität des biologischen Systems ist umso höher, je mehr der folgenden Parameter vorliegen: Unterschwellige Reize (Subtoxische Belastung), Risikogruppen (Sensibilität), Risikopersonen, Überlauf-Effekt (Kompensationsfähigkeit), Synergismen (Interaktion, Summation, Potenzierung), Langzeitwirkung (Dauer, Kontinuität Erholungspausen)
     
  10. Energie: Die bisherige Dominanz, welche die wissenschaftliche Medizin der Chemie eingeräumt hat, ist nicht mehr länger begründbar. Offenkundig beruhen biochemische Vorgänge auf physikalischen Induktionen. Nach Nordenström besteht "heute Einigkeit darüber, daß EM-Felder in Partikel umgeformt werden, daß also Materie durch Kondensation von EM-Feldern entsteht. ... Unsere physikalische Welt ist geformtes EMF. ... Insofern wird die von elektromagnetischen Feldern stammende biologische Materie nicht nur strukturell von EMF modifiziert, sondern sie erhält auch ihre Energie von EM-Feldern. Alle Lebenserscheinungen sind letztendlich Entwicklungen und Zurückentwicklungen elektromagnetischer Felder in Form der Zirkulation wechselnder Formen der elektromagnetischen Energie. ... Die Beziehungen zwischen Chemie und Physik werden von elektromagnetischen Feldwirkungen beherrscht. ... Biologische Feld-Materie-Interaktionen finden in dem bisher unerforschten Niemandsland der BCEC statt. ... Interferenzen zwischen biologisch wirksamen internen oder externen physikalischen Kräften sind die grundlegenden Mechanismen für strukturelle Differenzierungen und die Komplexität von Funktionen. ... Ist es möglich, daß die Lebensenergie ‘Chi’ und die elektromagnetische Energie der EMF identisch sind? ... Wissenschaftler sind heute im Westen wie auch im Osten darüber einig, daß Materie durch Kondensation von Energie entstanden ist. ... Durch ständig variierende Felder und Substanz-Begegnungen könnten die Lebensmoleküle entstanden sein."
     
  11. Interferenz großer und kleiner Mengen: Biologische Systeme verfügen einerseits über große Trägheitsmomente und andererseits über eine unvorstellbar hohe Sensibilität, deren Reizschwelle mathematisch nach null geht, wenn bestimmte Bedingungsfaktoren zusammentreffen. Wie in übergeordneten ökologischen Systemen wechselwirken auch in biologischen Systemen große Mengen mit kleinen. Feinste Größen sind funktionell immer an Grobstrukturen angeglichen, und sie werden vielfach erst in der Interferenz mit dem Groben wirksam. Das funktionelle Ergebnis ergibt sich aus der Wechselwirkung zwischen den groben und den feinen System-Parametern.
     
  12. Iteration als Wirkprinzip von Lebewesen: Energetisch offene Systeme weisen nicht-lineares Verhalten auf. Bei wiederholter Einspeisung des Ausgangswertes in den Eingangswert (dies ist Iteration) führen bereits geringste auftretende Differenzen plötzlich zu dramatischen Änderungen im Ordnungsmuster, sofern sie iteratativ behandelt werden. Der Mensch steht mit seiner Umwelt in Resonanz. Daher braucht er verschiedene Umweltsignale als energetische Richtwerte, um sich in seinem labilen Ordnungszustand erhalten zu können. Ein stärkeres Signal nimmt ein schwächeres in seinem Zeitverlauf mit, d.h. es zwingt ihm den eigenen Phasenrhythmus auf. Dies kann den Ordnungszustand des betreffenden Systems sehr stark labilisieren, bis hin zum Auftreten neuer unter Umständen pathologischer Ordnungszustände. Die "wissenschaftliche" Anwendung unserer Realitätsbestimmungen im Denken und Handeln ist ein Musterbeispiel für solche Iterationen: In ein nicht-lineares, biologisches System wird ein letztlich falscher Wert eingespeist, und dieser falsche Eingangswert bestimmt die Systemprozesse dann entscheidend. Deren Ausgangswerte werden wiederum als neue Eingangsinformation benutzt und so weiter. Auch in der Anwendung von Algorhythmen zeigen sich vielfältige Formentstehungen aus dem quasi-Nichts. Dies heißt, minimale Größen erzeugen in der Wirklichkeit bedeutsame Endergebnisse. Und gleichzeitig heißt dies, daß materielle Realität entscheidend durch die konsequente Anwendung minimal erscheinender Veränderungen der Ausgangsbestimmungen beinflußt werden kann, zum Beispiel durch eine Vorstellung oder einen Gedanken, sofern sie konsequent (iterativ) ins System eingespeist werden.
     
  13. Entsprechungen: Alle Bereiche der Natur sind Ausschnitte aus einer zusammengehörenden Vielfalt. Jeder Baum zum Beispiel stellt einen Ausschnitt aus der Charaktervielfalt der Menschen dar. Jemand verkörpert eher die Kraft der Eiche, ein anderer Mensch wiederum erscheint uns eher wie eine Zitterpappel, dann gibt es licht wirkende, einer Birke gleiche Personen, und andere wiederum erscheinen uns als Trauerweide. Diese Entsprechungen menschlicher Wesenszüge finden wir auch in Farben, Metallen, Mineralstoffen, Düften und allen anderen denkbaren Erscheinungen der Natur. Andererseits stellen Farben, Metalle, Düfte und so weiter ihrerseits wiederum Entsprechungen übergeordneter kosmischer Zusammenhänge dar. Planetenumlaufbahnen, Rhythmen, geometrische Formen und viele andere Phänomene repräsentieren sich in den Frequenzen der Farben, Töne, dem Periodensystem der Elemente und dem ihm zugeordneten Wellenlängen der Stoffe. Die fraktale Geometrie beschreibt, daß die Natur auf allen Ebenen des Lebens fraktal organisiert ist und so mit einfachsten Bausteinen und der wechselwirkenden Kombination von Ordnung und Chaos die schillernde und unbegreifliche Vielfalt dessen schafft, was wir Leben nennen. Dieses fraktale Prinzip findet sich auch als Selbstähnlichkeit einer Krankheit in Bezug auf den ganzen Menschen. Dies gilt umso eher, je ausgeprägter die Formbildungen sind, die eine Krankheit schafft.
     
  14. Kritische Labilität biologischer Systeme: Das Verhalten von Systemen ist dann als stabil und nach außen abgeschlossen zu bezeichnen, wenn sie die Verhaltensmuster und die Form auch nach einer Störung wieder einnehmen, die sie schon immer gehabt haben. An kritischen Kipp-Punkten sucht sich ein überlastetes System immer im chaotischen Übergang ein neues Gleichgewicht. Es handelt sich um "Phasenübergänge", an denen das System in höchstem Maße irritierbar ist. In solchen als "kritische Labilitätspunkten" zu bezeichnen Phasenpositionen kann eine mathematisch nach null gehende Reizstärke große Reaktionen im System auslösen. An dieser Stelle befindet sich das System im Zustand höchster Sensibilität und Reaktionsbereitschaft. Es handelt sich um eine grundsätzliche Eigenschaft lebender Systeme: Die Empfänglichkeit und Irritabilität gegenüber äußeren Reizen ändert sich zyklisch. Es ist daher immer die Wechselwirkung zwischen dem äußeren Reiz und den Funktionsgrößen, welche die aktuelle System-Position bestimmen, von der es abhängt, ob ein externer Stimulus einen biologischen Effekt erzeugt oder nicht.


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