Betreff: Kritische Stellungnahme zur neuen Stromablesetechnik


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Kritische Stellungnahme

zur neuen Stromablesetechnik

Dr. Braun-von Gladiß

31.3.2009

Ich kritisiere heute zweierlei, sowohl die Einführung einer neuen Mobilfunk-gesteuerten Stromverbrauchs-Ablesetechnik als auch die in esoterischen Kreisen angesichts dessen aufkochende Katastrophenmentalität.

Das erste (die neue Technik und die Art ihres landesweiten Einsatzes) greift unzulässig in die Privatsphäre von Menschen ein und verstärkt die Mobilfunkbelastung der Bevölkerung erheblich.

Das zweite (die undifferenzierte Panik von Katastrophenfanatikern) erzeugt eine falsche Lächerlichkeit, die bewirkt, dass auch ernst zu nehmende Kritik ins Abseits gestellt wird.

Der Weg aus dem Dilemma, in dem ich mich als nüchtern denkender Wissenschaftler angesichts dessen sehe, ist die präzise Darstellung des Sachverhaltes, die Präsentation des hinter dem Problem liegenden generellen Musters und der Aufruf zu einer sachdienlichen kritischen Einstellung und Handlungsbereitschaft.



Meine heutige Stellungnahme umfasst drei Teile:

  1. Die sachliche Darstellung und Bewertung einer neuen zur Zeit in der Erprobung befindlichen Stromablesetechnik, die wahrscheinlich in Zukunft flächendeckend eingesetzt werden soll

  2. Die kommentierte Zurückweisung einer Katastrophenmentalität, wie sie über Emails in der letzten Zeit verbreitet wurde

  3. Altbekannte Muster. Konsequenzen. Kritik und Appell


Was wird durch die neue Technik tatsächlich gesendet, beeinflusst, an Feldveränderungen erzeugt? Es bedurfte einer Recherche auf der Leitungsebene der dafür zuständigen wissenschaftlichen Abteilung eines großen überregionalen Stromversorgers, um die jetzt folgenden sachlichen Informationen zusammenzustellen:

Die technische Abteilung der E.ON Netz GmbH in 95448 Bayreuth - www.eon-netz.com – beantwortet die Frage nach dem Gerät (Smart Meter Pilot bei E.ON Bayern) und der Datenübertragung wie folgt :

1. "Flächen Roll-Out" der Smart Meter Technologie in einem geschlossenen Netzgebiet, mit dem Ziel Erfahrungen zu gewinnen -> ausgewählte Ortschaft: Bad Staffelstein. <5000 E.ON Bayern Vertriebskunden auf freiwilliger Basis. Eingesetzte Kommunikationstechnik: PLC: (CENELEC Band 1200 Bd) Zähler - Datenkonzentrator – GPRS: Datenkonzentrator - ZFA System

2. "Vertriebs Roll-Out" der Smart Meter Technologie im gesamten Netzgebiet: Eingesetzte Kommunikationstechnik: GPRS: Zähler - ZFA System.

Die Zählerkommunikation für den E.ON Bayern Pilot wird derzeit ausschließlich über GPRS von T-Mobile betrieben.

Der GPRS Kanal zum Zähler Modem wird als VPN zum Access Point  des Providers geschaltet (=IP SEC). Ist analog wie der RAS Zugang für unser "home office".  Die Zähler mit direkter GPRS Kommunikation werden i.d.R. 1 mal am Tag abgelesen. Die Datenkonzentratoren der Zähler mit PLC werden mehrmals am Tag abgelesen. Die Zähler erfassen: täglich - HT Zählerstand, NT Zählerstand, 15 min. Lastgang als Zählerstand.

Der Lastgang kann derzeit nicht "online" d.h. alle 15 min. übertragen werden, sondern wird wie bei E.ON Netz Kunden auch, ein mal am Tag - zwischen 0:00 und 5:00 Uhr für den Vortag abgelesen. Zukünftig sollen die Kunden aber von ihrem E.ON Bayern WEB Portal eine Ablesung des Lastgangs des aktuellen Tages auslösen können.

Die GPRS Modem sind zwar 24 h 365 Tage bei der nächsten Mobilfunkfunkstation eingebucht (wie beim Handy). Die Applikationsebene kommunizíert aber, wie gesagt, nur einige Male pro Tag. 

Die Datenübermittlung erfolgt – für Laien verständlich ausgedrückt – wie folgt: Der Strombetreiber installiert am Stromzähler ein einem Handy vergleichbares Mobilfunkgerät, welches ununterbrochen mit der nächstliegenden Mobilfunkbasisstation (z.B. „Mobilfunkturm“) im Standby-Modus online verbunden ist. Der Datentransfer ist also dem Absenden einer SMS vergleichbar. Angegeben wird, die standby-Verbindung werde 1 mal am Tag aktiviert, derzeit zwischen 0 und 5 Uhr nachts. Je nach Entscheidung des Strombetreibers ist dies aber auch mehrfach täglich möglich; z.B. auch alle 15 Minuten oder häufiger. Darauf hat der Endverbraucher, nachdem das Gerät erst einmal installiert ist, keinen Einfluss und er könnte das auch nur mit großem messttechnischem Aufwand kontrollieren lassen.

Dies bedeutet, daß sich für Handynutzer vom Grundsatz her nichts ändert, weil sie ohnehin immer dann, wenn ihr Handy eingeschaltet ist, das gleiche praktizieren wie das Stromablese- und Übermittlungsgerät.

Weil die Ablesehäufigkeit aber nicht geregelt ist, kann diese Technik die gesamte Mobilfunkbelastung des Einzelnen bedeutsam vergrößern, je nachdem ob die Ablesung 1 x oder 96 mal pro Tag (bei 1/4-stdl. Datentransfer) erfolgt. Besonders stark fällt auch ins Gewicht, dass das Gerät ununterbrochen eingeschaltet bleibt, gleich einem 24 Stunden pro Tag eingeschalteten Handy. Wichtig zur Abschätzung der individuellen Belastung ist auch die Luftlinienentfernung (ohne Berücksichtigung der Wände) vom Ablesegerät zu den Bewohnern, vor allem zu deren Schlafplatz, die vor allem in kleineren Wohnungen dafür meist viel zu gering ist.

Für Menschen aber, die ein Mobilfunkgerät grundsätzlich weder besitzen noch benutzen (wie ich zum Beispiel), hieße es, die letzte mobilfunkfreien Zone in der eigenen Wohnung aufzugeben, wenn sie zustimmen, eine solche Einrichtung in der Wohnung oder im Haus installieren zu lassen.

Hinzu kommt, dass die neue Verbrauchs-Ablesetechnik nicht auf Stromanschlüsse beschränkt bleiben wird. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass auch Gasanschlüsse und Wasseruhren darauf umgerüstet werden sollen. Jedenfalls gibt es zahlreiche Werbungsprospekte und Gerätebeschreibungen der diese Geräte produzierenden Industrie dafür.

Natürlich bricht damit nicht die Welt zusammen und es kann keine Rede von „systematischer Gesundheitszerstörung“, „Manipulation“ und ähnlichen weiteren Katastrophenbegriffen sein, wie sie im oben referierten Pamphlet aufgebläht werden. Es geht über die Mobilfunkbelastung hinaus aber noch um etwas weiteres:

Es ist ein grundsätzliches ethisches Problem, dass Mobilfunktechnik jetzt allen Menschen aufgezwungen wird. Wir leben in einem freien Land, in dem das Recht besteht, dass Menschen sich aus ethischen oder anderen Gründen entschließen und es praktizieren dürfen, beim Essen grundsätzlich keine Tiere zu verzehren, grundsätzlich keine Kreditkarte zu benutzen, grundsätzlich in kein Flugzeug zu steigen, sich grundsätzlich nur mit dem Fahrrad fortzubewegen, grundsätzlich keine Biozide (Spritzmittel) im Garten zu verwenden, grundsätzlich keine Impfungen bei sich durchführen zu lassen, grundsätzlich kein Fluor im Trinkwasser haben zu wollen und viele andere Aspekte im Leben grundsätzlich selbstbestimmt zu gestalten.

Dies mag vielen Mitmenschen anachronistisch, verschroben und verrückt vorkommen, weil eine solche Lebenspraxis außerhalb der gängigen Normalitäts-Grenzen liegt. Diese müssen in einem freien Land aber weiter gefasst sein als in totalitären Systemen. Daher darf es auch kein Automatismus werden, jemanden nur deshalb, weil er Strom beziehen möchte, zu zwingen, in seinem Hause bzw. seiner Wohnung Mobilfunk zu dulden.


Wenn ich nachfolgenden eingerückt und rot gesetzten Text wiedergebe, betone ich ausdrücklich, dass ich diesen Aussagen nicht zustimme. Vielmehr kritisiere ich die um sich greifende irrationale Katastrophenmentalität sehr grundsätzlich.


Das nachfolgende Pamphlet wurde in den letzten Wochen unter dem Stichwort „Energiebox“ über Email-Ketten verbreitet und gelangte so zu-fällig auch in meine Post. Im Original (pdf-File) ist es mit einem Layout aus vielen fett, kursiv, unterstrichen und rot markierten Hervorhebungen gestaltet, und die wenigen nachfolgend referierten Aussagen werden sowohl vielfältig wiederholt als auch mit dicht gepackten Grammatik-und Formulierungsfehlern gespickt, und dies über eine Länge von fünf Din-A-4-Seiten. Weil dieses Pamphlet von einer ganzen Reihe ernst zu nehmender Mitstreiter – ohne dass es offenbar zuvor gelesen wurde – in die nächste Runde der Emailschleife geschickt wurde, war es letztlich, hat mich dann wirklich verwundert und mir gezeigt, dass in „Kritikerkreisen“ eine Blindgläubigkeit und wohlfeile Katastrophenbereitschaft um sich gegriffen hat, die Handlungen (das Verbreiten einer Schrift) reflektorisch auszulösen vermag, sobald bestimmte Reizwörter fallen, ohne dass ein Rest gesunden Menschenverstandes eingeschaltet wird.

Meine LeserInnen mögen mir diese harten Worte verzeihen, vielleicht sind sie aber nötig, um aufzurütteln und dem Appell an Vernunft Nachdruck zu verleihen. Vielleicht ist dieses – die reflexartige Empörung, sobald Schlagwörter wie die nachfolgenden auftauchen, der wichtigste Zweck meiner heutigen kritischen Stellungnahme zum Thema „neues Stromablesegerät“: Die nachfolgenden Schlagwortzitate sind dem „Energiebox“-Pamphlet wörtlich entnommen:

...landesweit …. Bevölkerungsreduzierung.... furchtbarste Waffe der Welt!!!... Lampen explodieren... Allergiker fallen haufenweise um... fühlen sich sterbend ... Bewusstseinsstörungen... reines Waffensystem... Tarnung!... Überwachung... Mind control Experiment ...verseuchen... TOTALITÄRE KONTROLLE... abzuhören … Gehirnwellen beeinflussen... es ist wirklich nicht mehr viel Zeit ….Teil des amerikanischen Patriotengesetzes ...Veränderung im Rückenmark ….Leukämie … Experimente erst richtig begonnen....“

Ich appelliere dafür, Kritik sachlich, rational gestaltet und wissenschaftlich fundiert vorzutragen. Pamphlete wie das nachfolgend referierte bewirken in ihrer Lächerlichkeit letztlich nur, wirklich berechtigte, mit Vernunft vorgetragene Kritik an der Sache ebenfalls lächerlich zu machen, wissenschaftliche Kritiker ins Abseits zu stellen und künftige Verlautbarungen aus Kreisen, die vor den Auswüchsen der Mobilfunktechnik warnen, zu diskreditieren.

Darüber hinaus verunsichern und verängstigen Pamphlete wie das referierte die Menschen und fördern ein fatales psychopathologisches Muster der generellen Unzufriedenheit mit der Welt auf allen Ebenen. Dieses minimiert Lebensqualität noch viel krasser als die kritisierte Technik selbst. Besonders der jungen Generation ist es ein abschreckendes Beispiel: Die Persönlichkeitskraft (Ich-Stärke) von Kindern wird durch eine solche von Angst geprägte Einstellung von vornherein unterbunden. Jene engagiert ihrer Umwelt achtsam gegenüber eingestellten jungen Leute, die vernünftigen Argumenten zugänglich sind und sich für einen besseren Umgang mit neuen Technologien in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Pädagogik verwenden wollen, wird jeder Antrieb genommen, wenn sie sich in den Augen der Öffentlichkeit damit auf eine Stufe mit „Spinnern“ stellen.

Kurzum: die Aussagen des Pamphlets sind nicht nur falsch, sondern wirken in vollem Ausmaß kontraproduktiv.

Nun also der Extrakt des Pamphlets im Zitat (mit originalgetreuer Wiedergabe aller Sprach-und Grammatikfehler, die dem staunenden Leser am Ende den Ausruf entlocken: „kauf dir mal ne tüte dtsch, hat mir auch gehelft“):

Schwedens landweites Bevölkerungsreduzierungsprogramm: In Schweden wird nun die HAARPTechnologie über den häuslichen Stromzähler verbreitet! Schweden hat jetzt die stärkste, größte und furchtbarste Waffe der Welt!!! In alle Haushalte wird eine sogenannte „Energybox“ eingebaut.

Erste Wirkungen: Viele körperliche und seelische Beschwerden bei Menschen, ungeheure Schlafstörungen, andauernder kurzer Stromausfall, Lampen explodieren, Mobilverkehr teilweise zusammengebrochen, Telefone funktionieren nicht, Stromstärke und Strahlung in der Stromleitung unglaublich gestiegen, Computer knacken furchtbar, Internet und Mailverkehr humpelt, Lampen flackern die ganze Zeit usw. Auch die El-Allergiker fallen haufenweise um und fühlen sich sterbend. Viele zeigen jetzt schon Persönlichkeitsveränderungen und andere Bewusstseinsstörungen, besonders im Bezug auf das Gedächtnis. 3G (UMTS) war schon immer im Grunde ein reines Waffensystem und die 3G Handys sind nur Nebenerscheinungen (zur Tarnung!)

um was es dabei in Wirklichkeit geht : um eine Ausweitung der Überwachung und  Gesundheitsschädigung bis zum Tod (Bevölkerungsreduktionsprogramm). Schwedens landweites Mindcontrol Experiment !

Ein einziger Sender reicht im Grunde, um alle Häuser zu "verseuchen", die am gleichen Transformator angeschlossen sind. Der wirkliche Grund, warum man unser El-System … verändert lautet einfach: "TOTALITÄRE KONTROLLE"

Mit modifizierte ELF, ULF usw. ist es sehr leicht JEDEN Raum in 3D zu sehen, jedes Gespräch abzuhören und sogar die Gehirnwellen der Menschen zu beeinflussen. Wir sind in dem größten Experiment mit Kontrolle über die Gehirnwellen der Menschen, das die Welt gesehen hat. Deshalb wird es im Augenblick nur in Schweden und Finnland getestet. Beide Länder sind officiel immer schon Feldexperimentländer für Mikrowellen gewesen. Es ist wirklich nicht mehr viel Zeit (auf jeden Fall nicht für Schweden). Die kleine Energybox ist nichts anderes als ein Teil des amerikanischen Patriotengesetz, was selbstverständlich der Amerika-Nato mit nach Schweden folgt. Die totale Kontrolle der Häuser und des menschlichen Bewusstseins ist nur der Anfang. … die Energybox gehören im Grunde schon zu diesen neuen Waffensysteme, die man an uns testet.

FAST ALLE, die der 3G Strahlung ausgesetzt sind, eine Veränderung im Rückenmark zeigen. DER ANFANG VON LEUKEMIE!

Schweden hat jetzt die stärkste, größte und furchtbarste Waffe der Welt und die Experimente, hatten ja erst richtig im Sommer begonnen.

Quellenangaben: http://www.fraktali.biz mitgeteilt von : Dr.med.Heinz Gerhard Vogelsang und http://gandhi-auftrag.de/energybox.htm“

Nach einer solchen Darstellung wird verständlich, wenngleich es nichts desto weniger falsch bleibt, wenn eine Mutter (auch als Email-Rundbrief) schreibt:

„….wann denn diese neue Technik bei uns eingeführt werden soll. Die Antwort ist schockierend und ich frage mich, warum weiss niemand etwas! Haben Sie davon gewusst? Da ist doch alles harmlos, was wir bis jetzt haben und wofür wir uns einsetzen. Nur welche Möglichkeiten haben wir jetzt überhaupt noch und welchen Lebensraum? Das ist meiner Meinung, flächendeckende, vom Gesetzgeber verordnete Euthanasie, etwas anderes fällt mir dazu nicht ein.“



Mobilfunktechnik ist nicht risikolos. Es gibt zahlreiche Beweise gesundheitlicher Schäden innerhalb amtlich genehmigter Leistungsflussdichten. Darüber hinaus liegt aus vielen tausenden von Studien eine Fülle sehr ernst zu nehmender Hinweise auf bedrohliche epidemiologische Langzeitauswirkungen durch den Mobilfunkverkehr vor, sowohl für die individuelle Handynutzung als auch für den Betrieb von Mobilfunkbasisstationen (Mobilfunktürmen). Nahezu kein Wissenschaftler, der zwei Kriterien aufweist, nämlich sich sowohl mit der Reaktion biologischer Systeme auf externe Einflüsse auszukennen als auch nicht in finanzieller Bindung an die Industrie zu stehen, ignoriert diese kritischen Erkenntnisse und befürwortet gar die Ausweitung der Mobilfunktechnik. Für all Jene, auf die das erste Kriterium (eine subtile Kenntnis biologischer Systeme) nicht zutrifft und Jene, die sich sachlich informieren möchten, habe ich meine 1997 in der 1. Auflage erschienene Schrift „Mobilfunk und Gesundheit“ in der 2. Auflage 2009 mit dem neuen Titel „Macht Mobilfunk krank?“ aktualisiert. Dort sind die wichtigsten Studien exemplarisch referiert.

Dieses Vorwort zum Teil 3 möge genügen, um aufzuzeigen, warum überhaupt ein Kommentar zur Mobilfunk-gesteuerten Strom-Gas-Wasser-Verbrauchs-Ablesetechnik erforderlich ist.

Sowohl der flächendeckende Einbau dieser Verbrauchs-Ablesegeräte als auch die Möglichkeit der Stromversorger, die Ablesefrequenz beliebig zu gestalten, machen deutlich, dass sich das Ausmaß des Mobilfunkverkehrs in Wohngebieten sehr erheblich erhöhen wird, vor allem auch nachts.

Eine der basalen Forderungen aller für den problembewussten Umgang mit Mobilfunk plädierenden Wissenschaftler heißt, die Mobilfunkdichte vor allem nachts zu reduzieren, weil das biologische System in dieser Zeit besonders sensibel ist. Dementsprechend zweifelte bislang kein unabhängiger Wissenschaftler an der Notwendigkeit, nachts die Sendeleistungen von Mobilfunkbasisstationen herunter zu regeln, was technisch gut möglich ist. Die Einführung Mobilfunk-gesteuerter Stromablesetechnik wird alle diesbezüglichen Bestrebungen, die Belastung zu minimieren, zunichte machen und mit großer Wahrscheinlichkeit die durch elektromagnetische Wellen erzeugten gesundheitlichen Störungen unkalkulierbar erhöhen.

Solche Risiken einzugehen ist unverantwortlich und zeigt wieder einmal konzertiert mehrere Prinzipien, die uns schon aus anderen wissenschaftsgeschichtlichen, gesellschaftspolitischen und umweltmedizinischen Themen bekannt sind:

Die zuständigen Firmenleitungen, Techniker, Wissenschaftler, Kommissionen und Politiker wiederholen hier – mit der flächendeckenden Installation Mobilfunk-gesteuerten Strom-Gas-Wasser-Verbrauchs-Ablesetechnik unbekümmert Muster, die schon so oft im Nachhinein eine peinliche Ignoranz offenbarten, letztlich aber nichts mehr als Schulterzucken nach sich zogen, wo sich Entscheidungsträger stattdessen in einem wirklich frei funktionierenden Markt persönlichen Schadensersatzforderungen konfrontiert sähen.


Wir entdecken hier also die folgenden alt bekannten Muster:

  1. Funktechniker und Ingenieure haben keine Kenntnis von biologischen Systemen und deren Reaktionen. Das kann ihnen nicht vorgeworfen werden. Wohl aber müssen sie sich vorhalten lassen, dass sie ohne vorherige Prüfung durch unabhängige Instanzen Entscheidungen treffen, deren Konsequenzen weit über ihren technischen Verantwortungsbereich hinausreichen.

  2. Kommissionen, die innerhalb der Hierarchie administrativer Zuständigkeit eventuell befragt werden, sind in der Regel wesentlich bis federführend durch die Industrie selbst bestimmt. Insofern fungiert hier der „Bock als Gärtner“.

  3. Die zuständigen politischen und administrativen Instanzen, zu deren Aufgabe eine Risikoabklärung gehört, verlassen sich blindgläubig einzig auf die Stellungnahme jener Wissenschaftler, die an die die Technologie selbst entwickelnde, einführende und propagierende Industrie finanziell gebunden sind und oft als „Mietmäuler“ bezeichnet werden (z.B. von der Chefredaktion des pharmakritischen wisssenschaftlichen Pressorgans Arzneitelegramm).

  4. Die gerade in Vorbereitung befindliche Einführung der Mobilfunk-gesteuerten Strom-Gas-Wasser-Verbrauchs-Ablesetechnik zeugt insofern wieder einmal davon, daß Politik und Administration ihrer Verantwortung der Bevölkerung gegenüber nicht gerecht werden und sich vielfach, so auch hier, darauf beschränken, nachträglich den Handlungsspielraum zu legitimieren, den sich große Konzerne zwecks Renditesteigerung erschaffen haben.

  5. Rationale – als Gegensatz zu interessensgebundener - Wissenschaft kommt generell am wenigsten zum Tragen, wo es um Gewinnmaximierung geht (und ein anderes Ziel kann hinter der neuen Technik nicht stehen). Insofern zeugt, was wir hier aus der Kenntnis der Effekte in biologischen Systemen beobachten müssen, von einem hohen Maß an Irrationalität auf der Seite Jener, die Technik entwickeln, Jener, die sie befürworten und Jener, die sie genehmigen.



Offenbar leistet sich unsere Gesellschaft über weite Strecken, Entscheidungsträger zu tolerieren, die über die Konsequenzen ihres beruflichen Tuns nicht zur Verantwortung gezogen werden. Dass sich solches immerfort (s.o.) wiederholt, ist tatsächlich eine kollektive Dummheit und erinnert an das harte Urteil von Wissenschaftlern des Club of Rome, die die Menschheit als Missgeburt der Natur, als flüchtig existierende Fehlleistung der Evolution bezeichnet haben, weil sie nicht imstande sei, Erkenntnisse zielgerichtet in veränderndes Verhalten umzusetzen.

Welche Konsequenzen dies für jeden Einzelnen hat, ob sich daraus Katastrophenmentalität entwickelt, Resignation die Folge ist, eine Ausverkaufsmentalität („nach mir die Sintflut“) entsteht oder präzise Logik geschult wird und sachliche Publikation verbreitet werden, Lernen am Beispiel erfolgt und intelligentes Handeln (die Marktposition des Verbrauchers nutzen) sowie Problembewußtsein in der Pädagogik und Jugendarbeit entwickelt werden – dies muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden.

Gesellschaft verändert sich nicht primär durch neue Gesetze einer Regierung oder eines Königs, sondern indem Einzelne ihr Denken und ihre Handlungspraxis ändern und so zu Kristallisationspunkten für Wandlung werden.

Daß ich der Katastrophenmentalität ebenso entgegentrete wie der Resignation und Ausverkaufsmentalität und mich stattdessen um sachliche Information bemühe, möge durch meinen Beitrag deutlich geworden sein.

Persönlich werde ich zum einen meine Rechte und Möglichkeiten als Verbraucher nutzen und zum anderen auch künftig aufklärend umweltmedizinische und gesellschaftspolitische Phänomene kommentieren. Ich bin ebenso überzeugt davon, daß sich Widersprüche weder in der Medizin noch in der Gesellschaft aufheben lassen, wie ich glaube, daß der Sinn des Lebens in der Entwicklung von Erkenntnis, Handlungsmustern und Handlungsautonomie liegt.

Dies zum ersten, und zum zweiten weil Katastrophenmentalität die Entfaltung dieses Sinns des Lebens blockiert, haben mich bewogen, diese kritische Stellungnahme gegen die Mobilfunk-gesteuerte Strom-Gas-Wasser-Verbrauchs-Ablesetechnik zu verfassen und zu publizieren.


Dr. med. Karl Braun-von Gladiß